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Hirngesund altern

Wie wir unser Gehirn fit halten können: Tipps von einem Entwicklungsbiologen.

Mit zunehmendem Alter baut der Körper ab. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Auch wenn der Alterungsprozess nicht aufzuhalten ist: Inzwischen kennen Hirnforscher einiges, was man für ein langes, gesundes und erfülltes Leben tun kann. In seinem Buch erklärt der Entwicklungsbiologe und Bestsellerautor John Medina, was hilft, das Gehirn fit zu halten – und was nicht.

In jedem Kapitel widmet er sich einem Aspekt des Alterns. Anschaulich erklärt er, was bei Freundschaft und Zufriedenheit im Gehirn passiert, wie Stress wirkt, wie Ernährung, Sport und Schlaf das Denkvermögen beeinflussen und was es bedeutet, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken. Dabei geht Medina auch gerne in die Tiefe und scheut nicht davor, die Namen von Hirnregionen oder Molekülen zu nennen. Trotzdem bekommt man nie das Gefühl, vor einem Lehrbuch zu sitzen. Denn seine Erläuterungen verpackt er in einer guten Portion Humor – mit einem Hang zu Metaphern.

Helens strammes Programm

Gespickt ist das Buch zudem mit kleinen und großen Tipps für die Lebensgestaltung. Bei komplizierteren Anregungen, etwa der, Stress durch Achtsamkeitsmeditation zu verringern, verweist der Neurowissenschaftler auf hilfreiche weiterführende Literatur und konzentriert sich auf das Wesentliche. Interessant ist auch »ein Tag im Leben der pensionierten Lehrerin Helen«. Darin beschreibt der Autor den perfekten Tagesablauf einer fiktiven Rentnerin, die seine verschiedenen »Brain Rules« berücksichtigt. Zwar wird wohl kaum eine reale Person ein so strammes Programm durchziehen aus morgendlicher Meditation, Frühstück nach einem speziellen Diätplan, Laufengehen mit Freunden, mehreren sozialen Terminen, Computerspielen, Lesen, Musikhören und Filmeschauen. Doch Medina betont, dass es sich hier nur um Vorschläge handle, von denen sich jede(r) das Passende heraussuchen könne.

Die Mischung aus Ratgeber und Sachbuch macht die Lektüre spannend. Die Leser lernen viele Studien aus der Forschung kennen – klassische genauso wie aktuelle –, die allesamt verständlich erklärt sind. Anspielungen auf alte Filme, Lieder oder Videospiele lassen sicher diejenigen schmunzeln, die sich dadurch in ihre Kindheit zurückversetzt fühlen. Das ist Absicht, denn wie der Autor erläutert, hilft Nostalgie dabei, im Geist jung zu bleiben.

Das Werk richtet sich vor allem an ältere Menschen. Das zeigt sich schon in der förmlichen Anrede und in Medinas Schreibstil. Aber auch Jüngere finden den ein oder anderen Ratschlag, den sie ohne großen Zeitaufwand umsetzen können. Schließlich ist es nie zu früh, um gesund zu altern.

02/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02/2020

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