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»Brains & Balance«: Reset fürs Gehirn

Von Identitätsfragen unserer Vorfahren über Glücksmomente in Katzencafés bis hin zu Konsumfallen im Internet: Rachel Barr führt souverän durch die Wendungen und Windungen von Leben und Gehirn.

In acht Kapiteln behandelt die Autorin die Themen Identität, Freude, Sozialleben, Schlaf, Kreativität, Bewegung, Internet und Lebenssinn. Und Rachel Barr brennt darauf, ihr Wissen über Gehirn und Seele weiterzugeben – das spürt man in den vielen Geschichten und Gedankenexperimenten dieses abwechslungsreichen Buchs. Für Struktur sorgen die kurzen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels, in denen die wichtigsten Kernaussagen wiederholt werden.

Barr ermutigt ihre Leser, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das Bewusstwerden der eigenen Gewohnheiten und Routinen offenbare häufig negative Verhaltensweisen, die im Alltag meist übersehen oder ignoriert werden, ist sie überzeugt. Bevor sich bei der Selbstreflexion jedoch ein schlechtes Gefühl einstellen kann, ist Barr bereits zur Stelle: Sie erzählt Anekdoten aus ihrem eigenen Leben und zeigt so, wie normal peinliche Momente oder Zeiten der Verzweiflung sind. Wie man sich aus solchen Misslichkeiten wieder befreien und Gedanken, Alltag oder Lebensstil verändern kann, erläutert sie anhand vieler Tipps und Tricks.

Die Bedeutung von Schlaf und Langeweile für unser Gehirn

Freiheit und Flexibilität sind wiederkehrende Motive des Buchs. Es gehe darum, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten – sowohl im Hinblick auf die eigene Denkweise als auch beim Einnehmen einer sozialen Rolle. Es tue gut, eigen zu sein und nicht immer alles auf die gleiche Art zu erledigen. Indem Barr Situationen und Tatsachen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, gewinnt der Leser neue Einsichten und entwickelt mehr Verständnis – für sich selbst und für andere. Wichtige Erkenntnisse werden wieder aufgegriffen, um die nachhaltige Weiterentwicklung der eigenen Haltung zu ermöglichen.

Barr spricht viele wichtige Themen konkret an. Wer chronisch online ist, erhält hier einen deutlichen Weckruf. Lustlose und Unkreative finden frische Ideen. Und Menschen, die vom Produktivitätswahn getrieben sind oder ihren Schlaf prokrastinieren, öffnet die Autorin die Augen – oder besser: schließt sie, indem sie die Bedeutung von Ruhephasen betont. Genauso wichtig wie der Schlaf ist auch die Langeweile: Als Gegenpol zum hektischen Alltag und dem endlosen »Doomscrolling« – dem gefühlt endlosen Surfen durch negative Nachrichten – sei sie nicht zu unterschätzen. Barr betont, dass Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource sei und das Nichtstun zu häufig vergessen werde. Während dieser freien Zeit können Gedanken sortiert, gelegentlich auch aussortiert werden, die Kreativität kann sich entfalten, und aufgebrachte Gemüter können sich beruhigen – indem wir tief durchatmen.

Authentisch und nahbar

Der nahbare Stil mit vielen schonungslos ehrlichen Kommentaren und Erzählungen vermittelt dem Leser das Gefühl, als führe er mit der Autorin ein nettes Gespräch in einem von Barrs Lieblingscafés. Wissenschaftliche Hintergründe werden dabei verständlich und anschaulich erklärt. So beschreibt sie zum Beispiel das Gehirn als Redaktion mit dem medialen präfrontalen Cortex (mPFC) als Chefredakteur und dem temporoparietalen Übergang (TPJ) als Klatschkolumnistin. Ein wenig erinnert Barrs lebhafter, selbstironischer Duktus an die Kommentarspalten von Social-Media-Posts. So könnte das Buch nicht zuletzt jene ansprechen, die selbst viel Zeit online verbringen und daran vielleicht etwas ändern möchten.

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