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Minimaler Eingriff, maximale Wirkung

Dieses Buch informiert facettenreich und aus verschiedenen Perspektiven über die Genome-Editing-Methode CRISPR/Cas.

Kaum ein Forschungsgebiet erfährt derzeit so viel mediale Aufmerksamkeit wie die Gentechnologie. Das verdankt sie vor allem der rasanten Entwicklung des Genchirurgie-Werkzeugs CRISPR/Cas. Gegenüber älteren gentechnischen Methoden hat es einen entscheidenden Vorteil: Es ermöglicht derart minimale und präzise Eingriffe in das Erbgut, dass sich damit sogar einzelne DNA-Bausteine entfernen, ergänzen oder austauschen lassen. Deshalb sprechen Fachleute mit Blick auf CRISPR/Cas auch lieber von Geneditierung statt von genetischer Modifikation.

CRISPR/Cas verheißt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten in Landwirtschaft und Medizin, und zwar mit riesigem finanziellem Potenzial, etwa in der Pflanzen- und Tierzucht. Zugleich wirft es aber ethische Fragen auf – beispielsweise in der Medizin&nsbp;–, die so schwierig und komplex sind, dass die Wissenschaft allein sie nicht beantworten kann. Hierfür bedarf es eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses. Eine solche Debatte kann selbstverständlich nur stattfinden, wenn alle Interessierten sich umfassend über CRISPR/Cas informieren können. Dieses Buch leistet einen wertvollen Beitrag dazu.

Zusammenstellung verschiedener Artikel

Komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge allgemeinverständlich in einem Sachbuch aufzubereiten und dieses herauszubringen, kostet viel Zeit. Wenn der behandelte Gegenstand sich derart rasant verändert, wie es bei CRISPR/Cas der Fall ist, kann das fertige Werk nahezu unmöglich den aktuellen Stand widergeben. Um dieses Problem zu umgehen, haben die Molekularbiologen Toni Cathomen und Holger Puchta kein eigenes Buch verfasst, sondern hochwertige populärwissenschaftliche Artikel zusammengestellt, die unterschiedliche Aspekte rund um CRISPR/Cas und seine Einsatzmöglichkeiten abdecken. Neben der Zeitersparnis bietet das noch einige weitere Vorteile, beispielsweise lernen die Leser unterschiedliche Blickrichtungen kennen, denn die einzelnen Artikel wurden von verschiedenen Autoren verfasst und in diversen Medien veröffentlicht.

Trotzdem wirkt das Gesamtwerk erstaunlich rund, was der Auswahl der Texte zu verdanken ist sowie den einleitenden Erläuterungen zu Beginn jedes Themenblocks. Einzelne Artikel oder Kapitel lassen sich auch separat lesen, etwa wenn besonderes Interesse an einem bestimmten Aspekt besteht.

Nachteilig schlägt zu Buche, dass das Werk durch eine gewisse Redundanz auffällt. So erklären die verschiedenen Artikel immer wieder aufs Neue die grundsätzliche Funktionsweise der Genschere. Zudem entstanden die Texte zu unterschiedlichen Zeitpunkten, die nicht konsequent aufgeführt sind. Dies führt manchmal zu unnötigen Verwirrungen. So ist eine der maßgeblichen Entdeckerinnen von CRISPR/Cas, die Französin Emmanuelle Charpentier, einem Beitrag zufolge »aktuell« am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig tätig, wo sie von 2013 bis 2015 eine Arbeitsgruppe leitete. Ein anderer Beitrag verortet die Forscherin dagegen am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin, wo sie tatsächlich heute noch arbeitet.

Von diesen kleineren Patzern sollte man sich aber nicht irritieren lassen, denn die Auswahl der Artikel ist insgesamt sehr gut gelungen. Alle Texte sind auch für Laien verständlich, und spätestens bei der dritten Erklärung des Akronyms CRISPR mutiert der Fachbegriff vom Zungenbrecher zum selbstverständlichen Bestandteil des Vokabulars. Das Buch bietet einen ausgezeichneten Überblick über die aktuellen Debatten und Forschungsprojekte zu Einsatzmöglichkeiten von CRISPR/Cas – vom Bio-Landbau bis hin zu Samenzellen und dem damit verbundenen Übergang modifizierten Erbguts auf die nächste Generation.

Die Lektüre lohnt sich auch für Personen, die bereits Hintergrundwissen zum Thema mitbringen. Sie erfahren durchaus Überraschendes oder Hintergründiges, etwa dass die DNA-Schere Cas9 eine verbreitete Verteidigungswaffe bei Mikroben ist, die unter derart extremen Umweltbedingungen gedeihen, dass in ihrem Lebensraum kaum andere Verteidigungsstrategien möglich sind. Wer hätte gedacht, dass sich aus einem so spezialisierten Instrument ein schlagkräftiges Allzweck-Werkzeug entwickeln lässt?

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