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»Das animalische Echo«: Unser tierisches Erbe

Über die Beziehung zu Tieren finden Menschen einen besonderen Zugang zu ihren Emotionen. Diese These vertritt Wolfgang Schmidbauer in seinem lesenswerten Buch.

Der Psychoanalytiker und Therapeut Wolfgang Schmidbauer hat bereits zahlreiche Bücher zu unterschiedlichen psychologischen Themen verfasst. In »Das animalische Echo« widmet er sich der Nähe des Menschen zu den Tieren. Deren Bedeutung werde oft nicht gesehen, sei aber für unsere Gefühle und unsere seelische Gesundheit wichtig, so Schmidbauer.

Zunächst stellt sich der Autor die Frage, ob »Darwins Einsicht in die Evolution des Lebens auf der Erde« unser »Selbstgefühl kränken soll« – um sie gleich zu verneinen. Schmidbauer findet es vielmehr »reizvoll, sich die Nähe zu den Tieren einzugestehen«. Für uns Menschen gelte, dass unser Lebensglück nicht von unseren geistigen Fähigkeiten oder materiellem Reichtum abhänge, sondern vor allem von unseren Emotionen. Gefühle sind denn auch das zentrale Thema des Buchs, dessen These lautet: »Wer sich für Tiere interessiert und Menschen unbefangen beobachtet, wird auf dem Weg zu einem Verständnis unserer Gefühle einem animalischen Echo begegnen.«

Das Animalische als Chance

In 14 Kapiteln entwickelt der Autor seine Ideen zum Verhältnis von Mensch und Tier, das direkte Auswirkungen auf unsere seelische Gesundheit habe. Dabei geht es beispielsweise um »Das Animalische und die Ökologie«, den »Ruf der Natur« oder »Frühe Entbehrung und korrigierende Erfahrung«. Über Themen wie diese entwickelt Schmidbauer ein Modell sogenannter animalischer Anmutungen, die uns zuträglich sind und sich von »narzisstischen Erwartungen« unterscheiden. Denn diese Anmutungen erleichterten es den Menschen, sich auch angesichts der sehr widersprüchlichen und oft lebensfeindlichen Anforderungen unserer komplizierten und unsicheren Gegenwart zu behaupten. Im Kern entsprechen Aussagen wie diese ähnlichen kritischen Überlegungen, die Schmidbauer bereits in seinen früheren Büchern angestellt hatte.

Gerade aus der Perspektive des erfahrenen Psychotherapeuten plädiert er dafür, dass wir unsere emotionalen Bedürfnisse stärker berücksichtigen. Das Animalische, das uns mit den Tieren verbinde, berge in dieser Hinsicht eine Chance – wobei er das animalische Echo als mögliche Verbindung zu Tieren vom menschlichen Dialog unterscheidet. Gleichzeitig betrachtet er den Menschen keineswegs als Krone der Schöpfung, sondern betont, dass das maßgebliche Prinzip der Evolution die Veränderung sei und es in ihr nicht darum gehe, dass eine Entwicklung geschmückt werde.

Das zentrale Kapitel »Das ermattete Echo« gibt dem Werk seinen Titel. Hier werden zwei Fallgeschichten aus psychoanalytischer Sicht geschildert, anhand derer die »Rolle des animalischen Echos« ausführlich untersucht wird. Schmidbauer zeigt, was psychische Gesundheit aus seiner Sicht beeinflusst und wie sie nötigenfalls durch Therapie verbessert werden kann. Zudem erläutert der Autor die Gedanken weiterer Autoren, die Interessantes zum Verhältnis von Mensch und Tier beigesteuert haben. Dabei zitiert Schmidbauer neben einschlägiger Fachliteratur auch viele belletristische Werke, um sein Konzept des animalischen Echos noch anschaulicher werden zu lassen.

Dieses Buch bietet einen interessanten Zugang zu Fragen der psychischen Gesundheit. Dass sein Autor Psychotherapeut und Psychoanalytiker ist, prägt die Darstellung natürlich. Wer sich auf die damit verbundenen Prämissen einlässt, darf sich auf neue Perspektiven und ungewöhnliche Ideen freuen – und damit auf eine lohnenswerte Lektüre.

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