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»Das Anthropologie-Buch«: Von Aborigines bis Zucker

Gerade im 20. Jahrhundert hat sich die Anthropologie enorm entwickelt. Wie es dazu kam und was wir heute wissen, präsentiert dieser Band übersichtlich und kompakt.

Das Buch aus der bewährten, bei Dorling Kindersley erscheinenden Reihe »Big Ideas« widmet sich der Anthropologie. Es behandelt biologische Aspekte, nimmt aber auch das menschliche Verhalten auf individueller wie kollektiver Ebene in den Blick. Es geht primär auf evolutionäre, aber auch auf historische Hintergründe des Menschseins ein und beleuchtet die Wechselwirkungen des menschlichen Lebens mit seiner jeweiligen Umwelt, Gesellschaft und Kultur.

Diese »Lehre vom Menschen« ist zwar primär eine biologische Disziplin, weist jedoch auch vielfältige kulturwissenschaftliche Bezüge auf und wird daher als Brückenfach zwischen Natur- und Geisteswissenschaften angesehen. Es handelt sich also um ein sehr weites Feld, und diese Themenvielfalt erklärt, warum 29 international renommierte Autoren zu diesem Werk beigetragen haben.

»Das Anthropologie-Buch« ist nach Epochen und dem historischen Ablauf der Forschung in fünf Teile gegliedert: »Die Anfänge (vor 1918)«, »Die Zwischenkriegsjahre (1918–1950)«, »Die Nachkriegsjahre (1950–1980)«, »Moderne Anthropologie (1980–2000)« und »Anthropologie heute (ab 2000)«. Warum der Zeitraum zwischen 1918 und 1950 als »Zwischenkriegsjahre« bezeichnet wird, erschließt sich allerdings nicht, denn er umfasst den Zweiten Weltkrieg.

DNA, Sprache, Fotografie – Anthropologie als weites Feld

In einer Einführung zu jedem Teil werden die wichtigsten Fakten kurz zusammengefasst, ihre Abfolge wird in Form eines Zeitstrahls übersichtlich illustriert. So kann auf einen Blick verstanden werden, wie sich der Stand der Forschung entwickelt hat.

Jedem Kapitel ist eine kurze Übersicht vorangestellt. Hier erfährt der Leser in knappen Worten, in welchem größeren Kontext der beschriebene Begriff steht und wer die maßgeblichen Forscher auf dem zugehörigen Gebiet waren. Außerdem werden die wissenschaftlichen Hauptwerke zum Thema angegeben und es wird erläutert, in welchem Zeitraum sich die wesentlichen Forschungen abgespielt haben. Auf diese Weise kann man sich rasch ein Bild über die Inhalte des jeweiligen Kapitels machen und verstehen, wie sich eine bestimmte Fragestellung verändert und wie sich Forschungsergebnisse über die Zeit entwickelt haben.

Das Themenspektrum reicht dabei von biologischen Fragen wie »Ein Blick auf die Ursprünge des Menschen. Die Evolutionstheorie« oder »Das Mosaik unseres Genoms. Sequenzierung alter DNA« über soziologische Inhalte wie »Die Seele ist das Gefängnis des Körpers. Geschlecht, Sexualität und Macht« bis hin zu psychologischen Fragestellungen und solchen, die unseren Alltag betreffen, wie »Jeder würzt mit seiner eigenen Gewürzmischung. Autoethnografie«, »Sprache ist ein menschlicher Besitz. Die Regeln der Sprache«, »Fotografieren bedeutet, sich das Fotografierte anzueignen. Die Macht der Fotografie« oder »Einsamkeit betrifft jeden. Die Epidemie der Einsamkeit«.

Die Kapitel sind unterschiedlich lang – zwischen nur einer und etwa zehn Seiten – und können weitgehend unabhängig voneinander gelesen werden. So bekommt das Werk den Charakter eines Lexikons, denn auch einzelne Stichworte und Abschnitte stehen weitgehend für sich, sodass sich der Leser für gerade interessierende Themenkreise entscheiden und nach Belieben zwischen ihnen hin und her springen kann.

Umfangreiche Querverweise zu anderen Themen sowie Hinweise im Literaturverzeichnis auf die wesentlichen wissenschaftlichen Publikationen helfen, Fakten einzuordnen und Themen zu vertiefen. Zahlreiche Fotos, farbige Illustrationen und Tabellen stellen viele der besprochenen Details übersichtlich dar. Im Anhang finden sich außerdem Kurzbiografien von Forschern sowie Glossar und Register.

Die große Stärke dieses Werks ist seine Übersichtlichkeit. Die Inhalte sind so klar und anschaulich aufbereitet, dass man es gleichermaßen als Lehrbuch wie als Nachschlagewerk nutzen kann. So komplex die Anthropologie als Gebiet auch ist: Mit dem Konzept von »Big Ideas« wird sie auch für interessierte Laien auf ansprechendem Niveau zugänglich.

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