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Eisiger Fußabdruck

Eiswelten, schmelzende Gletscher und Eispanzer zeigt die Autorin Esther Gonstalla in wunderbaren Grafiken und verständlichen Texten.

Das Buch beginnt mit einem etwas ungewöhnlichen Vorschlag. Die Meeresforscherin Antje Boetius schreibt im ersten Satz ihres Vorworts: »Bevor Sie anfangen zu lesen, schließen Sie doch erst einmal die Augen und versuchen Sie, sich eine vollständig gefrorene, weiße Landschaft vorzustellen.« Vielleicht hören einige Leserinnen und Leser sogar das Knistern von Eis. Doch viele werden wohl eher Schnee in Form von Matsch in der Großstadt vor Augen haben.

Vorstellung einer eisigen Welt

Dabei sind Schnee und Eis lebenswichtig für Tiere und Menschen. Das Buch der Grafikerin Esther Gonstalla hilft dabei, sich die Welt aus Eispanzern, Eisschilden und fließenden Gletschern bildlich vorzustellen. In 50 Grafiken und Texten macht sie die wesentlichen Prozesse, Zahlen und auch Gefahren für das globale Eis durch die Erhitzung des Klimas greifbar. Sie zeichnet aber auch die Polarwelten mit den dort lebenden Pinguinen, Walen und Eisbären und erschafft damit keine trockene Zahlen- oder Grafikwüste, sondern ein lebendiges Buch, das man immer wieder gerne an beliebigen Stellen aufschlägt.

Auch diejenigen, die noch nie einen Gletscher gesehen haben, werden von den Folgen des schmelzenden Eis betroffen sein. Denn mit dem Klimawandel schwinden nicht nur die Gletscherwelten, sondern der Meeresspiegel steigt an, was bedrohliche Folgen für die Landwirtschaft hat. Zudem sind Gletscher Trinkwasserspeicher, und durch ihre Verknappung steht im Sommer weniger Wasser zur Verfügung. Deshalb müsste der Titel eigentlich heißen: Das Eisbuch und das Klima.

Gonstalla hat in ihren übersichtlich gezeichneten Eiswelten wie der Antarktis und Arktis viele fachliche Informationen untergebracht, oft mit Quellen versehen. Wissenschaftliche Unterstützung bekam die Autorin dabei vor allem von den Forschern und Forscherinnen des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven.

Wer beim Lesen die Grafiken genau studiert, entdeckt, dass es auch in Neuseeland Gletscher gibt und dass sie auch dort kleiner werden. Oder dass – wenn auch mit einem geringen Anteil – die Neuseeländer Kreuzfahrten in die Arktis unternehmen. Gemessen an der Gesamtzahl der Touristen steht Australien an dritter Stelle, gefolgt von Deutschland. Doch diese Art des Urlaubs im Eis hat ökologisch negative Folgen, denn die Tourismussaison fällt mit der Zeit zusammen, wenn die Pinguinküken schlüpfen und eigentlich Ruhe brauchen. Zudem lassen Schiffe teils Abwasser, Ballastwasser und ölhaltiges Wasser ab.

Auch ein paar Rettungsversuche für Gletscher in Hochgebirgen gegen die Wasserknappheit stellt Gonstalla vor. In Indien sollen künstliche Gletscher helfen, Trinkwasserreserven aufzubauen, beim Schweizer Morteratschgletscher soll eine künstliche Beschneiung die Schmelze verzögern, und an der Zugspitze wurden kleine Flächen mit weißen Plastikplanen abgedeckt, um die Eisfläche zu retten. Insgesamt wird sich damit der Gletscherverlust nicht aufhalten lassen, und daher ordnet die Autorin diese Aktionen eher unter »technische Spielereien« ein. Das Buch endet mit Vorschlägen, wie Staaten das Klima und die Wasserversorgung schützen sollten und wie wir alle unseren ökologischen Fußabdruck halbieren oder vermeiden können.

Gonstalla bedauert, für ihre Recherchen – wenn auch wenige – Flüge genutzt zu haben. Sonst bewege sie sich bei der Erkundung der Kontinente eher umweltfreundlich. Dafür nutze sie ihre Freiheit als unabhängige Infografikerin, wenn sie jedes Jahr von einem anderen Land aus arbeite. Hauptsache, mitten in der Natur. Das Eisbuch hat sie überwiegend in den bayrischen Alpen geschrieben, wo im Winter noch ordentlich Schnee lag.

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