»Das Grand Hotel der Gefühle Mitmachbuch«: Training für emotionale Kompetenz
Emotionen helfen Menschen, ihre Bedürfnisse, Grenzverletzungen durch andere oder auch Muster im eigenen Verhalten zu erkennen. Sie differenziert wahrnehmen und beschreiben zu können, stärkt die psychische Stabilität und ermöglicht einen gesunden Umgang mit Konflikten – eine wichtige Voraussetzung für stabile Beziehungen. Weil aber Emotionstrainings in den Lehrplänen der meisten Schulen fehlen, hat Lidia Branković »Das Grand Hotel der Gefühle« erfunden: einen Ort, an dem »alle Gefühle willkommen sind – egal wie groß oder klein, wie lustig oder traurig sie sind«.
In ihrem »Mitmachbuch«, das die Autorin auch selbst illustriert hat, lernen Kinder zu erkennen, was in ihnen vorgeht. Spielerisch begeben sie sich auf eine Reise in ihr persönliches »Grand Hotel«, richten es mit Buntstiften und viel Fantasie ganz nach ihrem Geschmack ein.
Gefühle wie Freude, Selbstvertrauen, Unsicherheit oder Mitgefühl sind die Protagonisten des Buchs. Jedes bekommt Raum, um sich auszudrücken, etwa als »wütendes Gekritzel« oder als »trauriger Fisch« in der Badewanne. Auch die Emotionen von Familienmitgliedern, Freundinnen und Freunden haben Platz – als in Landschaften gemalte Hotels, »die ihre Persönlichkeiten widerspiegeln«: scheu, gesellig, selbstbewusst. Die klaren Illustrationen der Autorin helfen den Kindern dabei, ihre Gefühle in Bildern oder Worten auszudrücken. In den Scherben einer Vase sollen sie etwa Situationen zu Papier bringen, in denen sie wütend waren, in die Lichtkegel von Scheinwerfern verschiedene Formen von Angst.
Gefühle im Körper verorten
Brankovićs Hotel ist »grand« im wahrsten Sinne des Wortes: Die Reise in die Gefühlswelt ist detailreich und anspruchsvoll. Oder könnten Sie spontan sagen, welches Gefühl Sie im Moment empfinden, wo genau im Körper Sie es wahrnehmen und welche Farbe es hat? Es ist ein echtes Arbeitsbuch, das Kinder idealerweise über längere Zeit begleitet. Die Altersempfehlung »ab vier Jahre« wirkt ambitioniert, ist aber sinnvoll: Je früher Kinder Zugang zu ihren Gefühlen finden, desto souveräner gehen sie später mit ihnen um. Dabei sind sie auf die Unterstützung erwachsener Bezugspersonen angewiesen – schon allein, damit diese die (kurzen) Texte vorlesen oder dabei helfen, Gefühle in Worte zu fassen.
Einzig bleibt die Frage, weshalb sich das Buch »nur« an Kinder richtet. Wer als Mutter, Vater oder Lehrkraft Jungen oder Mädchen durch das Buch begleitet, bemerkt womöglich, dass eigene, unbeachtet gebliebene Gefühle dabei an die Oberfläche treten – und dass es sich lohnt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.
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