Direkt zum Inhalt

»Das Happiness-Paradox«: Die Weisheit der Finnen

Finnland ist 2025 zum achten Mal in Folge zum glücklichsten Land der Welt gekürt worden. Was wir uns von dem Land im Norden abschauen können, verrät Frank Martela.

Frank Martela ist ein finnischer Philosoph und Psychologe, lehrt an den Universitäten von Helsinki und Tampere – und ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. In »Das Happiness-Paradox« klärt er darüber auf, was seiner Ansicht nach wahre Zufriedenheit ausmacht und wie man diese findet, erzählt vom Glück und vom Loslassen. Im Ton von Mantras gibt er dem Leser seine grundlegenden Ideen zum Glücklichsein mit. Er bietet Hilfe zur Selbsthilfe und zitiert dabei Epiktet, Shakespeare, Kant, Nietzsche, Freddie Mercury, Meister Yoda oder die Eiskönigin.

Eine seiner Einsichten: Um wahrhaft glücklich und zufrieden zu sein, muss man einiges verlernen – zum Beispiel, nach Glück zu streben. Klingt paradox? Nun, viele vermeintlich kitschige Grußkarten und Lebensweisheiten empfehlen uns ja bereits genau das: »Das Glück findet den, der nicht danach sucht« oder »Das Glück findet dich, wenn du es am wenigsten erwartest«. Obwohl solche Sprüche omnipräsent sind, scheint sich kaum jemand daran zu halten. Woran mag das liegen? Vielleicht weil viele von uns zumindest unbewusst annehmen: Glücklich sind doch sicherlich diejenigen mit dem meisten Geld, den schnellsten Autos und den meisten Followern – also diejenigen, die Erfolg haben. Folgt man Frank Martela, liegt genau darin der Fehler: Es ist nicht der Erfolg, nach dem man streben sollte – vielmehr sollte man den Prozess, der potenziell zum Erfolg führt, bewusst erleben.

Emotionale Alphabetisierung durch Heavy Metal

Auch über Emotionen und Akzeptanz schreibt Martela. Vieles sei nun einmal so, wie es sei – und zwar oft ziemlich unfair. Er rät, Gegebenes zu akzeptieren, gleichzeitig aber Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern aktiv wahrzunehmen und zu verarbeiten – Stichwort »emotionale Alphabetisierung«. Diese ist tatsächlich Teil des Lehrplans in finnischen Vorschulen! Schon Kinder lernen hier also, das, was sie fühlen, in Worte zu fassen, und erfahren, wie sie damit umgehen können. Dass dies in Finnland offensichtlich gut funktioniere, zeige sich noch im Erwachsenenalter. So habe der lange, harte Winter konstruktive Wege des Umgangs mit Dunkelheit und Melancholie hervorgebracht – etwa den Heavy Metal. Das klingt im ersten Moment vielleicht nicht nach Glück, zeigt aber, so Martela, dass die Menschen in der Lage sind, ihre Emotionen zu verarbeiten, anstatt anderen etwas vorzuspielen. So entstehe ein »Land der stillen Zufriedenheit«, dessen Einwohner das Leben so annehmen, wie es ist, und nicht darum wetteifern, wer das Größte, Teuerste oder Schnellste hat. Dazu kommen ein starkes Gemeinschafts- und Wirgefühl sowie ein Blick auf die Zukunft als Möglichkeit, die Welt noch besser zu gestalten.

Martela veranschaulicht seine Erkenntnisse mit Anekdoten aus seinem Leben und bildhaften Beschreibungen. Auf freundliche und nonchalante Art erklärt er und gibt Ratschläge. Sein Buch liest sich wie ein entspanntes Gespräch mit einem guten Freund beim Nachmittagstee oder, noch passender: wie ein tiefgründiges Gespräch um vier Uhr nachts nach einem geselligen Beisammensein unter Kommilitonen. Mal ernst, mal philosophisch und dann auch wieder locker-flockig. Es ist abwechslungsreich, fesselnd, es begeistert und regt zum Nach- und Umdenken an.

Kennen Sie schon …

Spektrum Psychologie – Das Glücksparadox – Wie wir ihm entkommen

Macht die Suche nach dem Glück unglücklich? Das Titelthema dieser Ausgabe zeigt, weshalb unser Streben manchmal nach hinten losgeht – und wie wir es klüger gestalten. Außerdem: Die vielen Gesichter der Depression, wie wir Ziele leichter erreichen, was hinter Rachegefühlen steckt und mehr.

Gehirn&Geist – Faszination Gehirn: 38 Infografiken über unser Denken, Fühlen und Handeln

Weil Sprache allein nicht immer das beste Kommunikationsmittel ist, werden seit 2013 ausgewählte Inhalte auf eine andere Art präsentiert: in Infografiken. Denn manches lässt sich in Bildern so viel einfacher darstellen als mit Worten. In dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist« präsentieren wir ein »Best-of« unserer Infografiken zu Psychologie, Hirnforschung und Medizin. Wie funktioniert unser Orientierungssinn? Was haben Darmbakterien mit der Psyche zu tun? Was macht eine angenehme Unterhaltung aus? Wie wirkt Alkohol im Gehirn? Und warum lassen wir uns im Supermarkt so leicht zu Spontankäufen animieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist«. Jede der 38 Grafiken im Heft widmet sich einem eigenen Thema.

Spektrum - Die Woche – Der Traum vom perfekten Ich

Der Markt für Persönlichkeitsentwicklung boomt – doch viele Methoden arbeiten pseudowissenschaftlich. Erfahren Sie, was Psychologie über Veränderbarkeit wirklich weiß und wo Risiken liegen. Außerdem: warum Hunger Launen verändert, Europas tiefste Schlucht und neuromorphe KI‑Chips aus Deutschland.

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.