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Ottilies Reise durch den Körper

Eine Reise in die Körperchemie unternimmt dieses E-Book, das sich an Kinder im Grundschulalter richtet.

Chemie auch den Kleinsten näherbringen? Das ist keine leichte Aufgabe. Um ihr gerecht zu werden, kombiniert die Autorin wissenschaftliche Inhalte mit einer Sache, in der Kinder Experten sind: Fantasie. In ihrem Roman »Das kleine Atom O. und die Geheimnisse der eintausend Höhlen« nimmt Elke Präg ihre jungen Leser mit auf eine Reise durch den menschlichen Körper, hin zu Molekülen und spannenden chemischen Vorgängen. Die Autorin ist promovierte Neurowissenschaftlerin und selbstständig als Unternehmensberaterin tätig. Ihr Buch folgt auf den Vorgängerband »Das kleine Atom O. reist zu den Wolken«.

Die Hauptfigur der Geschichte ist ein Sauerstoffatom namens Ottilie, das sich durch den Körper eines schlafenden Menschen bewegt. Als Teil eines Sauerstoffmoleküls, einer so genannten Reisegruppe, schwimmt sie zusammen mit ihrer Schwester Odine durch die Blutbahn. Die beiden treffen auf Atome verschiedenster Elemente und auf größere chemische Einheiten wie Glukose- oder Duftmoleküle. Nach einem Abstecher über das Herz gipfelt die Reise in einem Aufenthalt im Gehirn.

Vermenschlichter Partialdruck

Begleitend erklärt die Autorin verschiedene chemische Grundlagen auf einfache und »niedliche« Art. Den Aufbau eines Atomkerns aus Protonen und Neutronen beispielsweise vermittelt sie mit dem Bild eines Schatzes, den die Atome stets bei sich tragen und der von ihren »Helflingen«, den Elektronen, bewacht wird. Ein Molekül besteht dann aus verschiedenen Atomen, deren Helflinge nicht nur für sie selbst, sondern auch für andere Atome arbeiten. Dazu gibt es dann »gut oder schlecht gelaunte« Ionen, je nachdem, ob es sich um Anionen oder Kationen handelt.

Präg vermenschlicht sehr stark, zum Beispiel bei der Erklärung des Sauerstoff-Partialdrucks: Ottilie spürt einen Sog, den sie sich nicht erklären kann, der es ihr aber ermöglicht, durch eine Wand zu fliegen – größere Moleküle müssen dagegen erst eine Schleuse passieren. Auch ist das Schwesternpaar auf seiner Reise nicht allein, sondern wird von einem erfahrenen Sauerstoffmolekül begleitet. In der Rolle eines Reiseführers klärt dieses Ottilie – und damit auch die Leser – bereitwillig über chemische Prozesse auf. Auch Beschreibungen biologischer Vorgänge hält die Geschichte bereit: Im Gehirn beobachten Ottilie & Co. zum Beispiel das Ablesen von Genen sowie die Herstellung und Faltung von Proteinen.

Was den naturwissenschaftlichen Inhalt betrifft, überzeugt das Buch. Viele Wiederholungen, der stark lautmalerische Erzählstil und der simple Plot sorgen für ein gutes Textverständnis, das auch bei begrenztem Wortschatz gegeben sein sollte. Die Euphorie der ständig erstaunten oder begeisterten Ottilie mag auf kleine Leser ebenfalls ansteckend wirken. Das Buch erscheint somit geeignet für Kinder im Grundschulalter.

Mitunter leidet die Erzählung allerdings unter holprigen Übergängen zwischen verschiedenen Handlungssträngen. Manchmal entsteht der Eindruck, die Autorin habe so viel wie möglich unterbringen wollen. Gerade der letzte Teil des Buchs übersättigt ein wenig, da sein Ende hinausgezögert scheint. Hier und da fehlen auch anschauliche, kontrastreiche Bilder, die geholfen hätten, die Fülle an Informationen zu bewältigen. Illustrationen gibt es zwar, sie sind aber in eher unscheinbaren Farben und Linien gehalten.

Es ist zwar schwer zu sagen, ob die Lektüre dazu führt, dass sich die Kinder im späteren Chemie- und Biologieunterricht an Ottilie erinnern werden. Doch könnte es durchaus sein, dass Begriffe wie »Orbital», »Protein« und »Elektronentransportkette« dann bei der einen oder dem anderen Erinnerungen wachrufen. Und wenn nicht, war es wenigstens eine schöne Geschichte.

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