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Einstieg in die Kosmologie

Die Astronomin Becky Smethurst weckt die Lust, mehr über unser Universum und die moderne Astronomie zu erfahren.

Der erste Blick auf den Umschlag überrascht: Kunstvoll gezeichnete Planeten kreisen in Rosa und Blau um radial angeordneten Strahlen. Es erinnert an ein Tagebuch für Teenies, das man im Schreibwarengeschäft kaufen kann und das darauf wartet, mit spannenden Erlebnissen gefüllt zu werden. Angesichts seines kompakten Formats wirkt »Das kleine Buch vom großen Knall« nicht wie ein Werk, das astronomisches Wissen vom Urknall bis zur aktuellen Erforschung des Universums vermittelt. Genau das tut es aber. Unterhaltsam stellt die junge Astronomin Becky Smethurst von der University of Oxford darin das grundlegende Wissen vor, das wir über das Universum haben. Sie erklärt etwa, was Gravitation ist, wie Schwarze Löcher entstehen oder warum der Nachthimmel dunkel ist.

Die Trümpfe des Lebens richtig ausgespielt

Smethurst verfolgt in dem Büchlein keinen strukturierten Ansatz, der auf Vollständigkeit abzielt. Sie konzentriert sich vielmehr darauf, Fragen zu beantworten, die man sich als Laie unweigerlich stellt, wenn man in den Nachthimmel blickt oder die Nachrichten aus der Forschung verfolgt. Das wird spätestens im Kapitel über außerirdisches Leben klar, in dem die Autorin ihre Erfahrungen auf Partys schildert, sobald sie erzählt, dass sie Astronomin ist. Meist kommt dann die Frage auf, ob es »da draußen« Leben gebe. In ihrem Werk rechnet Smethurst vor, dass es bei rund 100 Trilliarden Sternen und einer angenommenen Wahrscheinlichkeit für Leben von eins zu einer Trillion noch rund 100 000 Planeten geben dürfte, auf denen Leben entstanden sein könnte. Ja, höchstwahrscheinlich ist die Erde nicht der einzige Planet, der seine Trümpfe im Spiel des Lebens richtig ausgespielt hat, resümiert sie am Ende des Kapitels.

Spannend liest sich auch der Abschnitt »Wie weit wir gehen werden«, in dem sich die Autorin damit beschäftigt, wie weit der Mensch bereits ins Universum vorgestoßen ist und was er womöglich künftig wagen wird. Bisher hat sich noch niemand weiter als zirka 400 000 Kilometer von der Erde entfernt – eine Distanz, die während der gescheiterten Mondlandemission Apollo 13 im April 1970 erreicht wurde. Doch die Menschheit drängt es zum Mars und womöglich bald noch viel weiter hinaus ins Ungewisse. Was dort für Gefahren lauern könnten, wägt Smethurst ab. Unter anderem Röntgen- und UV-Strahlung könnten tödlich für die Astronauten sein. Wagt man sich noch tiefer in den Kosmos, warten dort sehr gefährliche Strahlungspartikel, die schon die Voyager-Sonden beim Verlassen des Sonnensystems getroffen haben. Das Weltall ist eine äußerst unwirtliche Umgebung – Smethurst stellt zu Recht die Frage, wer freiwillig an einer Weltraumexpedition teilnehmen würde, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum Tod führt, sofern nicht bald bessere Schutztechniken verfügbar sind.

»Das kleine Buch vom großen Knall« eignet sich weniger für Leser mit astronomischen Vorkenntnissen, die ihr Wissen vertiefen möchten. Vielmehr ist es ein kurzweiliges Buch für Einsteiger. Man kann es problemlos bei einer längeren Bahnfahrt oder gemütlich an einem Nachmittag auf der Terrasse lesen. Smethurst weckt mit ihrem lockeren Erzählstil die Lust, mehr über Sterne, Planeten, Schwarze Löcher und die zahllosen, noch lange nicht erforschten Phänomene des Universums zu erfahren.

Am Ende der Lektüre kommt einem noch einmal der Gedanke an ein Tagebuch. So weit ist der Inhalt nämlich nicht von einem solchen entfernt – zumindest im Hinblick auf das Universum als Ganzes. Angefangen beim Urknall vor 14 Milliarden Jahren bis hin zum heutigen Blick in den Nachthimmel, der uns ermutigt, über all das nachzudenken, was wir über die Natur noch nicht wissen.

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