»Das krasseste Tier der Erde«: Helden des Untergrunds
Er ist blind, taub und ziemlich klein. Das klingt nicht gerade nach einem beeindruckenden Tier. Dennoch ist der Regenwurm ein Superheld der Unterwelt. Er gräbt den Boden um und durchlüftet ihn damit. »Das ist wichtig für die Pflanzen und schützt vor Überschwemmungen.« Und: Regenwürmer fressen Pflanzen- und Pilzreste sowie Mikroorganismen. Was sie danach als Häufchen ausscheiden, ist allerbester Dünger.
Soweit ein Ausschnitt aus dem Regenwurmwissen auf den letzten beiden Seiten von Kai Lüftners Bilderbuch, das Kinder nach dem (Vor-)Lesen mitnehmen. Auf den 30 Seiten zuvor richten der Kinderbuchautor und die Illustratorin Friederike Ablang dagegen auf andere Art – mit witzigen Reimen und farbenfrohen Bildern – den Scheinwerfer auf das Leben des oft unterschätzten und im Verborgenen wirkenden Wurms.
Lässige Regenwurmreime
Alles beginnt mit einem »Regenwürmchen auf einem Bodentürmchen« vor viel weißem Hintergrund. Bis es bald zwei, zehn, dann tausend und am Ende hundert Millionen Regenwürmer sind, die sich durchs Erdreich »wühlen, graben, schieben / bohren, verdauen und sieben«. Lüftners Regenwurmreime wollen gar keinem Versschema folgen, sondern sorgen lieber für einen lässig-schnoddrigen Ton, der sich vor allem beim lauten Lesen entfaltet: »Sie schlängeln sich ganz bewusste / durch Brocken, durch Schichten, durch Kruste«.
Friederike Ablang entwirft dafür eine farbenfrohe Bilderwelt voller Wurmindividuen, die wir dank ausgeprägter Mimik und diverser Attribute – vom Bauarbeiterhelm bis zum Klemmbrett – aus unserer Lebenswelt wiedererkennen. Vor allem die Doppelseiten im Wimmelbuchstil regen zum genauen Hinsehen und Entdecken über und unter der Erde an.
»Das krasseste Tier der Erde« ist eine warmherzig gereimte und gezeichnete Liebeserklärung an einen ebenso unterschätzten wie wichtigen Bodenbewohner.
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