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»Das Psyche-Darm-Paradox«: Nur gesundes Essen macht glücklich

Wir wissen immer mehr über Ernährung und werden dennoch insgesamt kränker. Matthias Riedl beschreibt, wie wir trotz der Verlockungen der Lebensmittelindustrie gesund essen können

Einen Schokoriegel »zur Belohnung« nach einem anstrengenden Tag? Einen Keks »für die Nerven«? Was harmlos klingt, ist für Matthias Riedl Ausdruck eines fundamentalen Missverständnisses. Denn auch wenn wir in der Regel glauben, uns durch Essen etwas Gutes zu tun, kompensieren wir dadurch oft nur kurzfristig Stress, Frust oder Müdigkeit. So trüben wir durch die falsche Ernährung unsere Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit, ja fördern im schlimmsten Fall sogar Depressionen, Ängste und ADHS. Matthias Riedl, Experte für Ernährungsmedizin, wendet sich an ein breites Publikum, das verstehen möchte, weshalb fundiertes Wissen über Ernährung allein nicht zwangsläufig zum richtigen Essverhalten führt.

Seine Kernthese: Hoch verarbeitete Lebensmittel manipulieren unser Belohnungssystem, locken mit intensiven Geschmäckern und schaffen ein biologisches Abhängigkeitsverhältnis, das sowohl Körper als auch Psyche schädigt. Die Lebensmittelindustrie, so Riedl, verstärke diesen Kreislauf, indem sie genau jene Produkte bewerbe, die uns am stärksten triggern.

Der Autor beschreibt das Phänomen der »silent starvation«: Obwohl wir zu viel essen, fehlt es uns an essenziellen Makro- und Mikronährstoffen. Hoch verarbeitete Fertigprodukte, Wurst- und Feinbackwaren seien »Fake Food«: verführerisch im Geschmack, aber nährstoffarm. Dieser Mangel sorgt paradoxerweise dafür, dass wir weiter essen, obwohl unser Körper nichts von dieser Art Ernährung wirklich gebrauchen kann. Gleichzeitig wächst ein ungesundes Mikrobiom heran, das zunehmend seine eigenen Vorlieben durchsetzt und uns so noch häufiger zu Zucker- und Fettbomben greifen lässt.

Es gibt Alternativen zu hoch verarbeiteten Lebensmitteln

Riedl erläutert, wie ein gesundes Mikrobiom die notwendigen Neurotransmitter produziert, während andererseits Fettzellen stille Entzündungen hervorrufen und chronische Blutzuckerschwankungen Stimmung, Schlaf und Denkfähigkeit beeinträchtigen. Der Mix aus schnellen Kohlenhydraten und tierischen Fetten reduziere langfristig die neuronale Plastizität und beeinträchtige so unser Gedächtnis.

Im zweiten Teil bietet der Autor konkrete Alternativen: wärmendes, selbst gekochtes »Comfort Food«, »Meal-Prepping« für hektische Tage und sieben Grundprinzipien der Ernährung. Dazu zählen die Zuckerreduktion und das konsequente Meiden hoch verarbeiteter Produkte. Riedl empfiehlt, Mahlzeiten bewusst und ohne Ablenkung zu genießen und dem Körper Verdauungspausen zu gönnen.

Der Aufbau des Buchs ist klar: Steckbriefe, Infokästen und Infografiken lockern den Text auf und bieten schnellen Nutzwert. Die Argumentation folgt wissenschaftlichen Erkenntnissen, bleibt aber verständlich und nahe am Alltag. Insgesamt liefert Matthias Riedl eine wohltuende Mischung aus Fakten, Erläuterungen zu biologischen Mechanismen und praxisnahen Empfehlungen. Sein Buch eignet sich für alle, die verstehen wollen, wie Essen unsere Psyche beeinflusst und wie »gesunder Genuss« funktionieren kann.

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