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Faszinierendes Erdreich

Forstwissenschaftler Peter Laufmann beschreibt, welche wimmelnde Welt uns im Erdboden buchstäblich zu Füßen liegt, wenn wir nur genau hinschauen.

80 Regenwürmer. 100 Käfer. 300 Tausendfüßer. 10 000 Borstenwürmer. 50 000 Springschwänze. 1 000 000 Fadenwürmer. 10 000 000 000 Strahlenpilze. 1 000 000 000 000 Bakterien: Es treibt sich einiges herum unter unseren Füßen. Obige Aufzählung umfasst nur eine kleine Auswahl der Lebewesen, die in sich unter einer Fläche von einem Quadratmeter finden, wenn man 30 Zentimeter tief gräbt – eine verborgene Welt, die der studierte Forstwissenschaftler Peter Laufmann buchstäblich ans Licht zieht und in seinem Buch »Der Boden« anschaulich und unterhaltsam beschreibt.

In zehn Kapiteln bringt Laufmann den Lesern, wie der Titel verspricht, in der Tat ein ganzes Universum näher. Er beginnt seine Schilderung mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Bodens und der Bodenbildung, zeigt, wie der Mensch den Boden beackert und stellt abschließend dar, welchen Gefahren der Boden heutzutage ausgesetzt ist. Die Inhalte des Buchs sind dabei weitestgehend Lehrbuchwissen. Dies schmälert die Lektüre aber nicht, denn dem Autor gelingt es sehr gut, eine runde und spannende Geschichte zu erzählen und das bekannte Wissen gelungen zu bündeln.

Taubenhaltung für die Landwirtschaft

Dabei fängt er buchstäblich ganz am Anfang an und beschreibt zunächst die Entstehung des Planten Erde vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren. Bis die glühende Kugel sich abgekühlt hatte, Ozeane und Meere entstanden waren und schließlich Erosion und Landpflanzen eine Bodenbildung ermöglichten, waren einige Milliarden Jahre vergangen, und so holt dieses erste Kapitel vielleicht weiter aus als nötig. Die folgenden Kapitel sind dann enger auf das eigentliche Buchthema fokussiert. Die Leser erfahren, wie Böden aufgebaut sind, worin sie sich unterscheiden, in welchen Klimata bestimmte Bodentypen bevorzugt vorkommen und wie der Mensch die Böden seit Jahrtausenden für sich nutzbar macht. Der Autor legt unter anderem dar, dass die gezielte Bodenbewirtschaftung nicht erst im Mittelalter mit einer Dreifelderwirtschaft begann. Bereits im alten Ägypten und in Persien hielten die Menschen Tauben in großer Zahl, um Dünger für die Landwirtschaft herzustellen.

In seinem Buch erörtert Laufmann aber nicht nur die landwirtschaftlichen und natürlichen Aspekte des Bodens, sondern bringt auch interessante Nebenthemen ein. Etwa im Kapitel »Stummer Zeuge«, in dem er darstellt, welche Geheimnisse Forensiker oder Archäologen dem Boden entlocken oder welch erhebliche Folgen die Stellungskriege des Ersten Weltkriegs auf die Böden der betroffenen Landstriche hatten – und mitunter immer noch haben, etwa hinsichtlich der Schwermetallbelastung der Krume.

Das Buch des Forstwissenschaftlers endet mit einer Darstellung der Gefahren, die dem Boden heutzutage drohen, und dem Plädoyer, wir sollten uns nicht selbst den Boden unter den Füßen wegziehen – durch falsche Bewirtschaftung, Flächenversiegelung, Überdüngung und vieles mehr.

Auch wenn an Umweltthemen interessierte Leser nur wenig Überraschendes im Laufmanns Buch finden, lohnt sich die Lektüre auf Grund des gut umgesetzten roten Fadens und der dadurch gelungenen Erzählung auf jeden Fall.

15/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15/2020

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