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»Der intelligente Kosmos«: Kopfkino vom Allerfeinsten

Wer sich mit Rüdiger Vaas auf die Suche nach anderen Intelligenzen als der menschlichen begibt, darf sich auf eine kluge und packende Darstellung des Themas freuen.

Eines vorweg: Dieses Buch ist der Hammer. Alle paar Seiten, manchmal sogar mehrmals pro Seite, musste ich es weglegen. Nicht, weil es langweilig oder schwer lesbar wäre, sondern weil ich immer wieder erst einmal eine durch den Buchinhalt aktivierte Sequenz an Kopfkino verarbeiten musste, bevor ich mich weiter dem Text widmen konnte. Und noch etwas vorab: Ja, es gibt sie wohl, die anderen Intelligenzen. Nein, wir sollten keinesfalls Kontaktrufe ins All senden. Aber ja, wir sollten unbedingt – wenn auch passiv – nach ihnen suchen, denn das könnte wichtig sein für unser Überleben.

Das kopernikanische Prinzip, das sich in der Astronomie oft bewährt hat, besagt, dass wir Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit im Universum nichts Besonderes sind. Das impliziert: Wenn es »uns« gibt, dann gibt es auch »sie«, die extraterrestrischen Intelligenzen. An diesem Punkt setzen viele der Fragen an, denen sich Rüdiger Vaas in »Der intelligente Kosmos« widmet. Gibt es »sie« womöglich allein in unserer Galaxis millionenfach, vielleicht sogar schon in nächster kosmischer Nachbarschaft? Oder doch nur alle tausend Galaxien einmal? Existieren viele Zivilisationen ähnlich der unseren gleichzeitig? Oder sind sie durch die Abgründe von Zeit und Raum für immer voneinander getrennt?

Dicht, umfassend und extrem erhellend

Die fünf Hauptabschnitte des Buchs gehen auf insgesamt 315 Seiten den wesentlichen Fragen zu anderen Intelligenzen nach: Was sind sie? Wer sind sie? Wann sind sie? Wo sind sie und wie sind sie? Das Werk ist frei von jeglichem Schnickschnack. Fast alles wird in »plain text« erläutert, die wenigen Grafiken und Tabellen sind recht anspruchsvoll, es wird kein Platz für Bilderorgien verschwendet. Sehr angenehm auch: Es wird nirgendwo gegendert. Kein einziges Wort.

Der Leser lernt auf jeder Seite etwas Neues. Zum Beispiel, dass es keine materiellen Gründe dafür gibt, dass »sie« uns besuchen sollten. Ressourcen können es nicht sein, denn die sind ziemlich gleichmäßig im Weltraum verteilt. Der Aufwand für eine Anreise aus diesem Grund wäre unverhältnismäßig groß. Plausible Motive könnten brennende wissenschaftliche Neugier oder religiöser Bekehrungsdrang sein. Oder »sie« könnten kommen, um uns am »Herumlärmen« zu hindern. Womöglich könnten sonst die Herrscher des Universums (so es sie denn gibt) auf uns und damit gleichzeitig auf unsere kosmischen Nachbarn aufmerksam werden und uns »ausknipsen« wollen (auf diesem Szenario basiert die berühmte »Trisolaris«-Trilogie des chinesischen Schriftstellers Liu Cixin).

Aber warum ist es noch nicht zu einem Kontakt gekommen? Gibt es den »Großen Filter« wirklich, der eine Begegnung mit anderen Intelligenzen verhindert, etwa weil alle technischen Zivilisationen beim Überschreiten einer Entwicklungsschwelle der Selbstvernichtung anheimfallen, bevor es zu einem Aufeinandertreffen kommen kann? Fragen wie dieser nimmt sich Vaas ausführlich an. Und mögliche Ansätze einer solchen Selbstauslöschung finden sich ja durchaus bei der heutigen Menschheit.

Den Von-Neumann-Sonden ganz nah?

Wiederholt stellt Rüdiger Vaas fest, dass ein möglicher Erstkontakt mit einiger Sicherheit über Maschinen, Roboter oder kybernetische Wesen erfolgen wird. Die Menschheit befindet sich gerade selbst an der Schwelle zum – und das ist hier ganz wörtlich gemeint – Posthumanismus. Allein die Aussicht, dass Tesla nicht lange nach 2030 jährlich eine Million humanoider Optimus-Roboter herstellen will, gebaut nicht mehr von Menschen, sondern von anderen Robotern, bestätigt diese These. Und damit wäre auch die Existenz sogenannter Von-Neumann-Sonden nicht mehr weit. Sie würden, anders als Menschen, Reisen von Tausenden oder gar Millionen Jahren unternehmen können. Selbst wenn ihre Schöpfer längst nicht mehr existierten, könnten sie ihr Wissen und ihr Streben, ihre Botschaften und ihre Träume ins All hinaustragen.

Vielleicht doch allein auf weiter Flur?

Das Buch widmet sich auch der extrem unwahrscheinlichen These, dass wir die einzige intelligente Spezies im gesamten Universum sind. Vaas zitiert hier den französischen Molekularbiologen Jacques Monod: Womöglich sei der Mensch vollständig allein in der gefühllosen Unendlichkeit des Weltalls, aus dem er durch einen unfassbar grotesken Zufall entstanden ist. Er müsste dann seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit in diesem Universum erkennen. Aber genauso gut könnten wir diese Lagebeschreibung, so wir sie für zutreffend halten, als (göttlichen) Auftrag deuten, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und das Leben weiter im Universum zu verbreiten.

Rüdiger Vaas formuliert all diese faszinierenden Überlegungen in nüchternem, ruhigem Stil, mit gelegentlichen humoristischen Einsprengseln und kleinen ironischen Seitenhieben. Manchmal ist der Text etwas akronymlastig, zumal die verwendeten Begriffe nur selten erläutert werden. Wer deshalb einmal ins Stocken kommen sollte, kann aber heute leicht Grok, ChatGPT und andere KI-Assistenten um Rat fragen. Wer nach der Lektüre dieses Buchs Lust bekommen hat, sich weiter in dieses spannende Thema zu vertiefen, findet im Anhang ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis. Kaum zu glauben, dass Aliens – auch außerhalb der Sciencefiction – schon für so viel Lesestoff mit wissenschaftlicher Grundlage gesorgt haben.

Ich habe mich oft und ausgiebig mit dem Thema »Wo sind sie?« beschäftigt und mit »Aliens, UFOs, unerklärliche Phänomene« auch selbst ein Buch dazu geschrieben. Ich kann deshalb konstatieren: Rüdiger Vaas‘ Werk ist von geradezu frappierender Vollständigkeit. Praktisch jede diskutable These, die in diesem Kontext jemals entstanden ist, ist in ihm enthalten.

So halte ich gern fest: »Der intelligente Kosmos« ist ein tolles Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Es hat meine unbedingte Kaufempfehlung.

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