»Der Vitamin- und Nährstoffkompass«: Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln
Welche Bausteine unserer Ernährung ermöglichen ein gesundes oder zumindest ein gesünderes Leben? Und wer sollte sie sich wann zusätzlich, als so genannte Supplements, zuführen? Diese Fragen beantwortet der Wissenschaftsjournalist und Autor Bas Kast auf der Basis der aktuellen Studienlage, die er für dieses Buch eingehend recherchiert hat. Mit den Zutaten für einen Bestseller kennt er sich bekanntlich bestens aus: Insbesondere mit »Der Ernährungskompass« hat er gezeigt, wie man Forschungsergebnisse schmackhaft präsentiert. Man darf also vermuten, dass auch »Der Vitamin- und Nährstoffkompass« ein Verkaufsschlager wird.
Aber ist es überhaupt notwendig, dass wir unsere Nahrung um Vitamine und andere Nährstoffe ergänzen? Der Autor stellt prinzipiell fest: »Wenn man von all den Longevity-Bausteinen – gesunde Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressreduktion, soziales Eingebundensein, Supplements – eine Sache weglassen müsste, dann am ehesten letztere.« Andererseits seien die zuerst genannten »Bausteine« nicht immer so ohne Weiteres steuerbar, wodurch in bestimmten Lebenslagen ein Bedarf an der Zuführung einzelner Nährstoffe entstehen könne – insofern lohne sich die Beschäftigung mit der Vielfalt an Nahrungsergänzungsmitteln dann doch.
Welche Ergänzungen eignen sich wann und für wen?
Vor diesem Hintergrund berichtet der Autor ausführlich von wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Supplementierung von Kreatin, Vitamin D, Taurin und anderen Nährstoffen. Die Gliederung in thematische Schwerpunkte macht die Lektüre leicht verdaulich. Kast erläutert unter anderem, welche Nährstoffe in Bezug auf die geistige Fitness, den Schlaf, die Herzgesundheit oder die Wechseljahre fleißig beforscht werden. Folgende Leitfrage zieht sich dabei durch alle Kapitel: »Welche Supplements – wenn überhaupt – lohnen sich für mich in meiner Situation (und in welcher Dosis), und von welchen sollte ich die Finger lassen?« Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden immer wieder durch Anekdoten angereichert und oft mit einer Prise Humor gewürzt. Auch von eigenen Erfahrungen mit diversen Substanzen berichtet der Autor bereitwillig.
Charmanter Nachhilfeunterricht
Das umfangreiche Glossar am Ende des Buchs umfasst alle im Hauptteil erwähnten Vitamine und Nährstoffe und geht auf viele weitere ein. Es ist alphabetisch geordnet, Kast hat die wichtigsten Erkenntnisse jeweils kurz zusammengefasst. Erneut merkt man, wie akribisch der Autor arbeitet, bietet das Glossar doch auch Wissen zu weniger bekannten Substanzen wie Alpha-GPC, Methylenblau oder Tongkat Ali. Neben der schieren Menge an Informationen beeindruckt die Art der Präsentation genauso: Kast versteht es hervorragend, Komplexes einfach zu erklären. Er macht das auf so charmante Weise, dass sogar der Chemie- und Biologienachhilfeunterricht zu Redoxreaktionen und Mitochondrien für willkommene Aha-Erlebnisse sorgt.
Nur das Ende dieses Wissensgaumenschmauses kommt etwas abrupt. Vom Kapitel über die Haut geht es gleich weiter zum Glossar, und auch im Anschluss daran gibt es kein Nachwort, das die geballte Sammlung spannender Erkenntnisse noch einmal einordnete. Die Darstellung der Quellen erscheint unnötig kompliziert; so suggeriert die großzügige Vergabe der Fußnoten (teilweise zitieren drei aufeinanderfolgende Fußnoten dieselbe Studie), dass mehr Publikationen herangezogen wurden, als dies tatsächlich der Fall ist – das hat dieses Buch überhaupt nicht nötig.
Diese winzigen Kritikpunkte ändern aber nichts am insgesamt sehr überzeugenden Gesamteindruck: »Der Vitamin- und Nährstoffkompass« ist interessant, abwechslungsreich und bestens recherchiert. Die Zuführung dieses geistigen Zusatzstoffs dürfte sich also für die meisten Leser als sinnvoll erweisen.
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