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Von wegen Kinderglück

Alina Bronsky und Denise Wilk holen aus: zu einem Rundumschlag gegen Ärzte, Politiker, Journalisten, andere Eltern – und die Gesellschaft im Allgemeinen. "Mütter in Deutschland haben gerade in den letzten Jahren deutlich an Ansehen und Respekt eingebüßt", beklagen sie. Die beiden Mütter von vier beziehungsweise sechs Kindern haben das Gefühl, ihresgleichen würde als entbehrlich und ersetzbar angesehen. "Auf unterschiedlichen Ebenen arbeitet man am Mutterersatz", so ihr Kredo.

Das Buch widmet sich beinahe ausschließlich den negativen Aspekten der Mutterschaft. Die Autorinnen kritisieren das "hysterische Verhältnis zum Stillen", den "Generalverdacht gegen die Schwangere als größtes Risiko für ihr Kind" oder das "Prinzip der lukrativen Schwangeren", bei dem Ärzte der werdenden Mutter unnötige Untersuchungen unterjubeln oder aufzwingen. Mit scharfem Ton berichten sie von ihren persönlichen Eindrücken, greifen hier und da auf Studien und Umfragen zurück, zitieren journalistische Texte und lassen Experten zu Wort kommen.

In den eigenen Speer gelaufen

Im Eifer des Gefechts kommt es allerdings vor, dass sich die Autorinnen widersprechen oder genau jenen Denkfehlern unterliegen, die sie zuvor selbst kritisiert haben. So beklagen sie, Mütter in ihrem Umfeld nähmen die Krippenbetreuung ihres Sprösslings, sobald er älter sei als ein Jahr, als alternativlos wahr. Dabei besuchte laut Statistischem Bundesamt 2015 in Deutschland nur jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. Die Unstimmigkeit fällt spätestens dann auf, wenn man ein paar Seiten weiter beim Thema Betreuungsgeld diese Worte eines Wissenschaftlers liest: "Wir müssen akzeptieren, dass doch ein relativ großer Teil der Eltern seine Kinder in den ersten Lebensjahren selbst betreuen möchte." An anderer Stelle prangern Bronsky und Wilk an, die Medien würden allein erziehende Mütter oft als geldgierige Monster darstellen, die es auf Unterhalt abgesehen hätten. Direkt im Anschluss verunglimpfen sie dann aber Väter und berufen sich dabei ebenfalls auf Einzelfälle. Ebenso kreiden sie Eltern-Kind-Kursen an, Müttern das Gefühl zu geben, sie seien in Erziehungsbelangen inkompetent. Solche Kurse leitet Wilk jedoch selbst.

Die Lektüre vermittelt den Eindruck, es sei eine einzige Tortur, Mutter zu sein oder zu werden. Erst auf der letzten von mehr als 200 Seiten merken die Autorinnen an, dass der Nachwuchs auch große Glücksmomente mit sich bringen könne. Zwar gelingt es den beiden, verschiedene Missstände aufzuzeigen, mit ihrem kämpferischen Ton schießen sie aber an mehreren Stellen über das Ziel hinaus. Weniger Vehemenz hätte dem Buch gutgetan.

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