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»Die Botschaft der Meere«: Fragile Schönheit

Von Tintenfischen beim Liebesakt bis hin zu vegetarischen Haien. Taucher schildern bewegende Unterwassergänge, zeigen ihre fantastischen Fotos und setzen sich für den Erhalt der Meere ein.

Quittengelbe Meeresschnecken, achtarmige Tintenfische und die Rolle zweier Tentakel beim Liebesspiel; Seekühe, die anhand der ihnen durch Motorboote beigebrachten Verletzungen identifiziert werden; fast vegetarische Hammerhaie und schubsende Zackenbarsche: Die Fotografien dieses Buchs zeigen traumhafte Unterwasserwelten und erzählen von den besonderen Tieren, die dort leben. Vom Seepferdchen über den Sternenhai bis hin zum riesigen Grauwal reichen die Begegnungen der Taucherinnen und Taucher mit den Lebewesen in den Ozeanen der Erde.

Sie berichten, wie Lachshaie leben, wie Lachseier von Ohrenquallen verzehrt werden, auf die dann wiederum die Gelben Haarquallen Jagd machen, oder von der Fürsorge von Walmüttern für ihre Kälber. »Die Botschaft der Meere« wurde aus Liebe zum Ozean geschaffen, heißt es in der Einleitung: »Wir glauben an die Kraft von Geschichten und ihre einzigartige Fähigkeit, die Seele zu rühren, Gefühle zu wecken und wichtige Veränderungen anzustoßen.« Im Buch schildern rund 50 Taucherinnen und Taucher sowie Forschende unterhaltsam ihre bewegenden Erlebnisse unter Wasser. Sie sind »Hailiebhaber«, »Rochenverrückte« und »Ozeanenthusiasten«, wie sie schreiben.

Atemberaubende Choreografien

Manchmal zeigen sie sich selbst auf den Aufnahmen, etwa wenn sie in einem Käfig auf Haie warten oder direkt unter ihnen stehen. Manchmal berichten sie auch von Missgeschicken. Ein Taucher war einmal so erregt, als er Hunderte Teufelsrochen der Art Mobula munkiana atemberaubend schöne Choreografien vor der Küste vollführen sah, dass er »in vollkommener Ehrfurcht« vergaß, seine Kamera mitzunehmen. Was ihm wohl beim nächsten Mal nicht passierte, denn die Fotografien Tausender fast synchron schwimmender Rochen zählen zu den erstaunlichsten der wunderbaren Bilder in diesem Buch.

Doch ob Hunderte von Haien auf der Jagd oder Feuerfische in Korallenriffen gezeigt werden – das Buch erzählt nicht nur von schönen Tauchabenteuern, sondern zeigt auch, wie bedroht die wunderbare Unterwasserwelt ist. Denn die Auswirkungen von Klimawandel, Überfischung und der Zerstörung von Lebensräumen auf die Meere haben bedenkliche Ausmaße angenommen.

Lichtblicke

Das Buch mahnt aber nicht nur, es macht auch Hoffnung. So berichtet es von Korallenansiedlungen in Metallkäfigen oder von Seegraswiesen, die »aufgeforstet« wurden und in denen sich wieder mehr juveniler Kabeljau vor Fressfeinden verstecken kann. Es schildert die positiven Aspekte des »Hai-Ökotourismus« auf der hawaiianischen Insel O’ahu, einem der wenigen Orte, an denen Haie geschützt sind. So generieren die Einheimischen Einnahmen jenseits des Haifangs, und Touristen können auf freundliche Weise Kontakt mit den sonst als bedrohlich empfundenen Tieren aufnehmen. Andere Areale werden nur zum Tauchen genutzt, so dass in diesen geschützten Gebieten auch keine illegale Raubfischerei stattfinden kann. Die Schattenseite: Tauchkreuzfahrten führen zu einer zusätzlichen Vermüllung des Meeres.

Noch begegnen den Tauchern viele traumhaft schöne Unterwasserwelten. Doch immer öfter berichten sie von brutalen Eingriffen in die Ökosysteme und zeigen schonungslos erschreckende Bilder von verletzten Tieren oder verwüsteten Lebensräumen. Und dennoch träumen sie »von einer Welt, in der die Schönheit und Zerbrechlichkeit des Ozeans allen in Fleisch und Blut übergehen«. Die wunderbaren Aufnahmen und Geschichten dieses Buchs könnten zum Wahrwerden dieses Traums beitragen.

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