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»Die Welt der Technik in 100 Objekten«: Museumsgeschichte zum Anfassen

Vom mittelalterlichen Wiegendruck bis zum Covid-19-Impfstoff: 100 Ausstellungsstücke des Deutschen Museums sollen die Technikgeschichte beleuchten. Eine Rezension
Eine Dampflokomotive in einem alten sepiafarbenen Foto.

Das in München befindliche Deutsche Museum erhielt zur Gründung wesentliche Bestandteile der Sammlung der Bayrischen Akademie der Wissenschaften. Der Generaldirektor des Museums, Wolfgang M. Heckl, hat nun ein Buch herausgegeben, in dem eine Auswahl von 100 Objekten dieser Ausstellung präsentiert wird. Dass sich darunter auch ein Gerät für die Bestimmung der Reinheit von Bier findet, ist wohl dem Standort des Museums geschuldet. Weitere Gegenstände aus Bayern bilden einen Schwerpunkt des Werks – tatsächlich stammen aber viele vorgestellte Ausstellungsstücke aus der ganzen Welt. Dabei reicht der zeitliche Rahmen von einem aus dem Jahr 1482 stammenden astronomischen Wiegendruck bis zum 2021 entwickelten Covid-19-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech.

British Museum als Vorbild

Dabei diente der internationale Bestseller »Geschichte der Welt in 100 Objekten« des ehemaligen Direktors des British Museum Neil MacGregor zum Vorbild – sowohl beim Titel und der Auswahl der beschriebenen Objekte als auch bei der Verlagswerbung. Damit liegt die Messlatte hoch. Das Faszinierende an MacGregors Buch ist vor allem, dass ein einzelner Autor die große Vielfalt der dargestellten Objekte einordnet und mit der Menschheitsgeschichte in Beziehung setzt.

Durch die verschiedenen Autorinnen und Autoren weist das Werk zum Deutschen Museum trotz des vergleichsweise ähnlichen Aufbaus der Artikel (geschichtlicher Hintergrund, Objektbeschreibung, biografische Darstellung der Wissenschaftler oder Erfinder) unterschiedliche Darstellungsweisen auf. Unter anderem werden nur selten Bezüge zwischen den Artikeln hergestellt. Dadurch entsteht der Eindruck einer Sammlung kleiner Objekt-Monografien.

Dennoch sind die einzelnen Abschnitte durchaus faszinierend. Leider verlieren sich die Autoren und Autorinnen oft in der Terminologie des Objekts, vor allem wenn es um die Funktionsprinzipien und technischen Details der dargestellten Maschinen geht. Um diese zu verstehen, sind häufig zusätzliche Informationen nötig. Aber gerade dadurch entsteht der Eindruck einer überwältigenden Vielfalt an Ideen. Besonders berührend sind die Hinweise auf die sozialen Folgen der einzelnen Entwicklungen, die meist Proteste der Arbeiter gegen Rationalisierungen und Vereinfachungen darstellten.

Leider haben sich ein paar Fehler eingeschlichen. Beim Magdeburger Vakuumversuch mit Otto von Guerickes zusammengepressten Halbkugeln strömt die Luft beispielsweise nicht durch die Ventile heraus, sondern hinein. Und wenn die Frau von Ludwig Mach 1938 gestorben ist, kann sie kaum den Nachlass ihres Mannes dem deutschen Museum geschenkt haben, der 1951 verstarb.

Durch die hervorragende Ausstattung mit zahlreichen Bildern und die reichhaltige Bibliografie zu den einzelnen Kapiteln ist ein schönes (und schweres) Buch entstanden. Es erfüllt mit Sicherheit den Wunsch des Herausgebers, die Leserinnen und Leser zu einem (weiteren) Besuch des Münchener Museums anzuregen.

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