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Das gekittete Ganze

Der Philosoph Slavoj Žižek stellt das Konzept der »Disparität« vor, also die Vorstellung eines Ganzen, das aus nicht kompatiblen Teilen besteht.

Einem breiten Publikum aus zahlreichen Büchern zur Philosophie und Kulturkritik bekannt, aber auch aus seinen Interviews, die auf Youtube millionenfach geklickt werden, verkörpert Slavoj Žižek wie kaum ein anderer den kauzigen, weltfremden Denker. In seinem Werk »Disparitäten« zeigt der Professor für Philosophie an der Universität Ljubljana abermals, dass jene Kritiker irren, die in ihm ein reines Medienprodukt sehen. Er ist ein großer Denker, sein vorgestelltes Konzept ebenso abstrakt wie wirkmächtig und ohne umfangreiches Hintergrundwissen kaum zu verstehen. Denn der Autor setzt viel voraus und bezieht sich immer wieder auf Vorläufer, etwa die oft dunklen Schriften Georg Friedrich Hegels (1770–1831).

Das Konzept der Disparität ist, grob gesagt, die Vorstellung eines Ganzen, das aus nicht kompatiblen Teilen besteht. Es lässt sich auf eine Vielzahl von Lebensbereichen anwenden, beispielsweise das Zwischenmenschliche – was Žižek im Lauf des Werks durchexerziert. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die sich mit Sein, Ästhetik und Politik befassen, angelehnt an die klassische Triade vom Wahren, Schönen, Guten. Der erste Teil stellt das Konzept der Disparität als zwangsläufigen Unterbau unseres Umgangs mit der Welt dar. Žižek postuliert, die organische Einheit der Phänomene sei eine Illusion, die tiefer liegende Antagonismen verdeckt. So bildeten wir uns ein, einen Menschen zu kennen, obwohl es unmöglich sei, ein vollständiges Bild vom ihm zu zeichnen. Um unser Bild zu vervollständigen, füllten wir es mit Wünschen, Mutmaßungen und dergleichen auf. Das derart »gekittete« Erzeugnis habe allerdings einen faden Beigeschmack, da der künstliche und der organische Teil nicht vollständig kompatibel seien. Diese Inkongruenz ist laut Žižek in nahezu allem wirksam, das unser Leben bestimmt.

Žižek ist eloquent und kann komplizierte Zusammenhänge gut verdeutlichen. Dennoch ist »Disparitäten« für philosophische Laien eher wenig geeignet, denn es setzt viel voraus. Lesern mit Vorwissen ist es dagegen uneingeschränkt zu empfehlen.

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