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Faszination Elefant

Dieser Ausstellungsbegleitband arbeitet heraus, welche Rolle die Dickhäuter in der menschlichen Kultur spiel(t)en.

Von den Ursprüngen der ersten Rüsseltiere über steinzeitliche Strichzeichnungen bis hin zu den Hauptattraktionen auf indischen Festen: Dieses Buch widmet sich den größten Landtieren der Erde, den Elefanten. Insbesondere befasst es sich damit, welche Bedeutung diese Säugetiere für die menschliche Kultur hatten und haben. Der Band begleitet die gleichnamige Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen. In Zusammenarbeit zahlreicher Autoren sind insgesamt 15 Kapitel entstanden, die verschiedene Aspekte des Themas erörtern. Der Untertitel des Werks gibt die inhaltliche Klammer der Beiträge wieder: »Graue Riesen in Natur und Kultur«.

Mit einem knackigen Abriss zur Evolution und Biologie der Tiere beginnt der Natur-Teil. Anschaulich erklärt der Autor etwa die Unterschiede zwischen Afrikanischen und Asiatischen Elefanten. Unsere eigenen Vorfahren – die Menschen der Steinzeit – begegneten neben dem Mammut noch zahlreichen anderen Rüsseltierarten, die mit den heutigen Elefanten verwandt waren. Leider war Homo sapiens vermutlich schon damals mitverantwortlich für ihr Aussterben. Passend dazu geht es im Buch weiter mit dem illegalen Elfenbeinhandel und der Frage, wie man die Herkunft von Stoßzähnen ermitteln kann.

Verehrt und missbraucht

Der größte Teil des Werks handelt von Elefanten in der menschlichen Kultur. Die Mammutzeichnungen unserer steinzeitlichen Vorfahren, Schnitzereien aus Elfenbein und die Kriegstiere Hannibals sind hierfür nur einige Beispiele. So dienen Elefanten auch als mystische Symbole, gelten als Zeichen königlicher Größe und Weisheit, als Vermittler zwischen den Welten sowie als Glücksbringer. Zum einen haben die Menschen sie immer schon verehrt – etwa in Gestalt Ganeshas, des Hindu-Gottes. Zum anderen nutzen beziehungsweise missbrauchen sie sie als Arbeits-, Reit- und Kriegstiere. Das Buch spiegelt dieses ambivalente Verhältnis gut wider.

Unser maßgeblicher Einfluss auf das (Über-)Leben der Tiere ist keineswegs ein Phänomen der Neuzeit. Schon vor Jahrhunderten wurden unzählige Elefanten gefangen, um sie als Arbeits- oder Kriegstiere auszubilden. Die Methoden, die Menschen nutzen, um sich die grenzenlos scheinende Kraft der sanften Dickhäuter zu eigen zu machen, waren und sind erschreckend: Damit sich ein Elefant den Menschen unterordnet, wird zunächst sein Wille gebrochen – durch Wasser- und Nahrungsentzug sowie durch Schläge mit dem berüchtigten Elefantenhaken. Viele Tiere überleben diese Tortur nicht.

Ein großer Teil des Bands handelt von Elefanten als Zirkus- und Schautiere. Beim Transport der Dickhäuter aus ihren Heimatregionen hinaus in die ganze Welt wurden früher große Bestandsverluste in Kauf genommen, um den Besuchern von Zirkussen, Völker- und Tierschauen etwas Außergewöhnliches zu bieten: Etwa die Hälfte der Tiere starb während der Seereise. Einer der bekanntesten heutigen Tierhändler Deutschlands ist der Hamburger Carl Hagenbeck, dessen geschäftlichen Aktivitäten sich ein ganzes Buchkapitel widmet.

Alles in allem ist das Buch auf Grund seiner abwechslungsreichen Beiträge, zahlreichen historischen Anekdoten und vielen Fotos von Ausstellungsstücken sehr kurzweilig zu lesen. Lediglich ein Kapitel fällt wegen des nicht gerade lesefreundlichen Schreibstil des Autors negativ aus dem Rahmen. Wer die im Buch abgebildeten Objekte einmal direkt sehen möchte: Die Sonderausstellung »Elefant« läuft noch bis zum 10. November 2019 im Knauf-Museum Iphofen.

33/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 33/2019

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