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»Elements«: Fantastische Aufnahmen unseres bewegten Planeten

Meere, Vulkane, Gletscher und Gebirgsketten: Die Elemente und das, was sie auf der Erde geschaffen haben, zeigt dieser Prachtband. Seine Bilder sind atemberaubend.

Die vier Elemente – Erde, Feuer, Wasser und Luft – galten bereits in der Antike als Urformen allen Seins. Mit ihnen erklärten Philosophen gewaltige Naturphänomene ebenso wie den menschlichen Körper mit all seinen Malaisen. Und auch wenn der heutige Mensch durch seine aufgeklärt-rationale Brille nüchterner auf die Welt schaut – beim Durchblättern des Bildbands »Elements« sollte er demütig staunen.

In großformatigen Fotografien führen die Geologen Bernhard Edmaier und Angelika Jung-Hüttl durch die von den Elementen gestaltete Welt: von den Knautschzonen kollidierender Kontinentalplatten über Feuer speiende Risse in der Erdkruste bis hin zu Meeren aus Sand, deren Züge Wasser, Wind und Sonne im erbarmungslosen Wettstreit formten.

Treffen Kontinentalplatten aufeinander, türmen sie sich zu Gipfeln auf, formen Stapel, Falten und groteske Schnörkel, auf (fast) ewig konserviert in sich windenden Schichten aus ehemaligem Sediment und ungleichen Gesteinen. Spitz, rund, grün, grau oder rot – die Vielfalt an Formen und Farben ist ebenso gigantisch wie das Ausmaß der einzelnen Gebirgsketten.

Aufnahmen aus großer Höhe

Dass man sie überhaupt aus dieser Perspektive bewundern kann, liegt daran, dass Fotograf Bernhard Edmaier seine Kamera bevorzugt aus Helikoptern und Propellerflugzeugen heraus bedient – weltweit. Und so finden sich in diesem Band Aufnahmen schneebedeckter Gipfel der Schweizer Alpen ebenso wie das US-amerikanische Death Valley und rot-gelbe Krater in Namibia.

Aber nicht überall ruht die Erdkruste. Hier und da quillt orange glühendes Gestein an die Oberfläche, spucken Krater dreckige Wolken aus Asche und ätzenden Gasen. Vulkane sind der beste Beweis, dass unser Planet sich stetig wandelt. Ob nun Dauerspucker auf Island, die Mantelplumes der hawaiianischen Inselketten oder explosive Exemplare wie den Krakatau und dessen Sprössling, Anak Krakatau – so detailliert und farblich brillant werden die meisten Menschen »vulkanische Giftküchen« vermutlich selten zu sehen bekommen.

Wissenschaftsjournalistin Angelika Jung-Hüttl sorgt dafür, dass man am Ende auch versteht, was man sieht, also etwa weiß, was Mantelplumes sind. Kapitelweise führt sie in die Geheimnisse der Geologie ein und liefert aufschlussreiches Hintergrundwissen. Zum Beispiel, dass Wasser 71 Prozent der Erdoberfläche bedeckt. Das seien geschätzt 1,4 Milliarden Kubikkilometer, schreibt sie, die als Regen, Meeresbrandung und ungestüme Ströme ihren Teil zum planetaren Relief beitragen. Oder das subtil agierende Grundwasser, das Molekül für Molekül Minerale aus Gesteinen wäscht, sich in Spalten zwängt und – wenn es gefriert – ganze Berge zu sprengen vermag. Wenig subtiler sind da die gigantischen Hobelmaschinen aus gefrorenem Wasser, die sich als Gletscher ihren eigenen Weg spiegelglatt schleifen.

Ein beeindruckendes Werk

»Elements« ist ein Werk der Superlative. Opulent im Format, mit Fotografien überwältigender Farbtiefe und Schärfe und einer Motivauswahl, die den Blick des Blätternden auch nach dem zehnten Wüstenbild nicht ermüden lässt. Mehr als 30 Jahre lang hob Bernhard Edmaier immer wieder ab, bannte Schauplätze in Momentaufnahmen und bestückte mit seinen Luftbildern bereits etliche Fotobände und Ausstellungen.

Aus der Himmelsperspektive wirken die Aufnahmen wie Wimmelbilder. Mitunter sucht das Auge nach einer Wegmarke, einem Bezugspunkt, um Dimensionen zu taxieren. Man kneift die Augen zusammen, rückt die Brille zurecht, bis am Bildrand Miniaturmenschen in Orange und Blau auftauchen, Schotterwege und geweißte Häuser mit roten Ziegeldächern, kaum stecknadelkopfgroß.

Es sind Bilder, die in ihrer Ruhe zugleich so viel Kraft transportieren, dass man respektvoll schluckt und sich vielleicht sogar ein wenig der eigenen Unbedeutsamkeit bewusst wird. Schließlich bewegen sich all diese nassen Kubikkilometer und Gesteins-Exatonnen seit Jahrmillionen von rechts nach links, von unten nach oben, untereinander her und durcheinander hindurch. Egal, ob nun mit oder ohne Menschheit.

Resultate des Klimawandels

Fast zumindest. Denn auch der menschengemachte Klimawandel formt das planetare Antlitz: Wenn Gletscher verschwinden, kollabieren Bergflanken, versinken Inseln im Meer und erheben sich Teile Grönlands deutlich aus demselben. Auch diesen Aspekt greift das Buch auf, bleibt dabei aber durchgehend wunderlich distanziert. Neben den emotionsgeladenen Fotos lässt einen die kühl-trockene Sprache der erklärenden Textpassagen beinahe frösteln. Klar, Zahlen wollen verpackt, Daten exakt vermittelt werden. Dennoch vertun endlose Sätze und Passivkonstruktionen die Chance, den kraftvollen Bildern eine ebensolche Sprache zur Seite zu stellen.

Dass es auch anders geht, zeigen seltene erzählerische Elemente wie die Darstellung des Eklats um Alfred Wegener (S. 16). Der damals noch naseweis gescholtene Jungwissenschaftler wagte es im Jahr 1912, auf einem geologischen Kongress seine Idee der wandernden Kontinente vorzustellen. Außer Hohn hatten seine Kollegen für diese Hypothese nur wenig übrig. Heute gilt das Konzept der Plattentektonik als Lehrbuchwissen.

Wegener erkannte, was dieses prachtvolle Buch erlebbar macht: Alles, wirklich alles ist in Bewegung.

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