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»Entscheide dich glücklich!«: Zwischen Autopilot und Aufschieberitis

Entscheidungen zu treffen, fällt nicht immer leicht. Warum wir sie ewig vor uns herschieben oder schnell von unserem »Autopiloten« treffen lassen, erläutert Verena Utikal.

Für die meisten Menschen gibt es vor allem zwei Formen von Entscheidungen: einfache und schwierige. Die einfachen bedürfen, so glauben wir, keiner großen Denkarbeit. Die anderen quälen uns tage- und nächtelang, bis wir uns schweren Herzens zu etwas durchringen, oft, ohne mit der getroffenen Wahl am Ende glücklich zu sein. Hinter diesen Prozessen stecken, so Verena Utikal, vor allem zwei Entscheidungssysteme: der »Autopilot« und das »Kontrollzentrum«. Um sie geht es in ihrem Buch »Entscheide dich glücklich!«, das aber nicht, wie der Titel vermuten lässt, eine Anleitung zum Glücklichsein liefert. Vielmehr möchte die Autorin Entscheidungswege transparent machen und ihre Leser dabei unterstützen, sie souveräner zu nutzen und so Blockaden zu vermeiden.

Entscheidungen, die uns leicht von der Hand gehen oder die wir vielleicht noch nicht einmal als Entscheidungen wahrnehmen, sind, so Utikal, meist das Resultat unseres Autopiloten. Dieser übernehme beispielsweise dann, wenn es schnell gehen muss, Lust mit im Spiel ist oder unser innerer Schweinehund auf Vermeidung drängt. Dann entscheiden wir uns etwa für Althergebrachtes oder wählen den Weg, der kurzfristig weniger Konfliktpotenzial beinhaltet.

Automatismus versus Kontrolle

Der Gegenspieler des Autopiloten, den die Autorin als eine Art Kommandozentrale schildert, sei das langsame und kontrollierte System. Es sei am Ruder, wenn wir Optionen erst bewusst durchdenken und sie von allen Seiten beleuchten, bevor wir uns für eine entscheiden. »Diese beiden Systeme, unsere ›Entscheidungsmacher‹, sind wie zwei innere Persönlichkeiten, die bei jeder Entscheidung ein Duell austragen«, schreibt Utikal. Eines der beiden Systeme sei meist aktiv und dominiere, wenn eine Entscheidung anstehe.

Mit diesem einfachen Schema sei die Komplexität von Entscheidungsprozessen aber keineswegs hinreichend beschrieben, bestimmen doch eine ganze Reihe von Faktoren und Motiven ihren Ausgang. Ein zentrales Motiv könne etwa sein, Verluste vermeiden zu wollen – denn wir alle haben Angst davor, als Folge einer Entscheidung etwas zu verlieren. Deshalb riskieren wir oft weniger, als uns eigentlich angemessen erscheint. Oder wir wählen eine Option, die uns weniger aufwendig erscheint – beispielsweise das günstigste Angebot, das nicht unbedingt immer das beste sein muss, oder den kürzesten Weg, der vielleicht nicht der einfachste oder schnellste ist. Oft ahmen wir auch andere nach oder wählen immer wieder die gleiche Alternative, um möglichst schnell und unkompliziert zu entscheiden.

Entscheidungen verstehen, ohne sie gleich zu bewerten

Beispiele dafür kennt jeder. Wer hat nicht schon mittags in der Kantine wider alle Vorsätze statt zur gesunden Option zum gewohnten, fettigeren Essen gegriffen? Und wir alle verharren immer wieder in festgefahrenen Situationen, weil sie sich im Moment leichter und vor allem sicherer anfühlen. Die Erläuterung der Theorien hinter solchen sogenannten Heuristiken – etwa Aufwandsvermeidung, Nachahmung, Wiederholung oder Verlustvermeidung – nimmt im Buch einigen Raum ein. Es lohnt sich, sich gerade in diesen Passagen die Zeit zu nehmen, das Dargestellte in Beziehung zum eigenen Alltag zu setzen – dann erinnert man sich an viele Situationen, in denen man diesen Heuristiken gefolgt ist. Die Verhaltensökonomin Utikal erinnert dabei auch an die Ambivalenz, die unseren Entscheidungen innewohnt: So ist es etwa per se weder gut noch schlecht, die bequemere Option zu wählen. Dadurch hat man beim Lesen nicht ständig das Gefühl, durch Entscheidungen im eigenen Leben möglicherweise hier oder da falsch abgebogen zu sein, weil man dabei einem der erläuterten Motive gefolgt ist.

Auch den berühmten inneren Schweinehund, der uns oft lenkt, ohne dass wir es merken, nimmt sich die Autorin vor: »Der Gegenwartsfokus ist ein Meister darin, unsere Selbstkontrolle auszutricksen«, schreibt Utikal dazu. Dadurch falle es uns wesentlich schwerer, eine in der Ferne liegende Belohnung als solche wahrzunehmen und uns durch sie zu motivieren. Dieser Fokus verführe einen gerade bei unangenehmen oder lästigen Dingen zur Aufschieberitis.

Das Buch regt an, über das eigene Leben und seine Entscheidungen nachzudenken. Indirekt gleicht es dabei mitunter einer Anleitung zur Selbstverbesserung – nicht zur Selbstoptimierung! – hin zu klareren Entscheidungen. Manchmal gerät die Darstellung dabei etwas zu detailliert oder theoretisch. Gerade die Erläuterungen der anatomischen Grundlagen am Anfang des Buchs sind zwar interessant, aber für das Verständnis des Folgenden nicht notwendig.

Trotz dieser kleinen Mängel und auch wenn das Buch das im Titel angedeutete Glücksversprechen nicht einlöst: Für Menschen, die vor einer wichtigen Entscheidung stehen oder ihr Leben als festgefahren wahrnehmen, kann es nützlich sein. Denn es hilft dabei, die eigenen Motive und Gefühle besser zu verstehen und so gezielt die Aspekte des Selbstbilds zu verändern, mit denen man sich bei Entscheidungsprozessen selbst im Wege steht.

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