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Die Vergänglichkeit des ewigen Eises

Die Eisflächen schrumpfen rasant wegen der steigenden Temperaturen. Nicht nur diese Auswirkungen, sondern auch die Einzigartigkeit der Eiswelt beschreibt die Meereisphysikerin Stefanie Arndt.
Ein kleines Passagierschiff mit blauem Rumpf vor einer Küste aus steilen Felshängen und Eis.

Die »Schneefrau« Stefanie Arndt nimmt ihre Leserinnen und Leser mit auf eine Reise in eines der entlegensten Gebiete der Erde – 4000 Kilometer von der nächsten besiedelten Region und 14 000 Kilometer von Berlin entfernt.

Die poetische Erzählung von der Schönheit des Eises und einer Sphäre, die kaum wie von dieser Welt erscheint, lässt die Leser beinahe die extremen Temperaturen vergessen, die dort herrschen. So beschreibt Arndt beispielsweise den »Diamond Dust«, der als sanfter Glitzerregen auf die gefrorenen Flächen der Antarktis fällt – ein Phänomen, bei dem Wasserdampf zu kleinen Schneekristallen gefriert.

Dreimal kälter als das heimische Gefrierfach

Durchschnittliche Temperaturen von –55 Grad Celsius in der Antarktis verdeutlicht Arndt mit dem Vergleich, dies sei dreimal kälter als das heimische Gefrierfach. Auch die praktischen Probleme, die die eisige Kälte für Forschungsteams mit sich bringt, beschreibt sie anschaulich. Wenn die Meereisphysikerin zum Beispiel an einem Messgerät eine klemmende Schraube mit den dick gefütterten Polarhandschuhen nicht lösen kann und sich beim Versuch, das Ganze ohne Handschuhe zu erledigen, schmerzhafte Erfrierungen zuzieht.

Die Erfahrungen aus 13 Expeditionen in beide Polregionen beschränken sich nicht nur auf Begegnungen mit neugierigen Pinguinen, denen Arndt gut zuredete, um einen Sturz in die einen halben Meter tiefe Schneegrube zu verhindern. Sie zeigen auch, wie gefährlich solche Forschungsreisen sind. Nicht nur bei der Schilderung der zum Alltag gehörenden Eisbärenwachen in der Arktis oder der Beschreibung, wie das Forschungsschiff »Polarstern« in die Abbruchspalte eines entstehenden Eisbergs fährt, gerät der Atem ins Stocken.

Auf 224 Seiten verflicht die Autorin geschickt Zahlen und Fakten mit der Schönheit der Antarktis und Beschreibungen aus dem Alltag von Polarforschern. Die Zusammenarbeit von Personen verschiedener Disziplinen ist unerlässlich, denn die Polarregionen können als Frühwarnsysteme der globalen Erwärmung betrachtet werden.

Gleichzeitig sind sie auch Brennpunkt des Klimawandels. Die Arktis hat sich seit 1971 dreimal schneller erwärmt als der Rest unseres Planeten. Der durchschnittliche Temperaturanstieg von nur 0,12 Grad Celsius trügt, da er im westlichen Teil der Region bereits 2,6 Grad beträgt. Bei einer globalen Erwärmung um 2 Grad Celsius werden die Temperaturen in den Polarregionen voraussichtlich um bis zu 4 Grad steigen.

Arndt führt den Leserinnen und Lesern immer wieder vor Augen, dass sich diese Phänomene nicht auf die Pole beschränken, sondern durch die Wechselwirkungen von Atmosphäre, Eis, Ozean und Landoberfläche den ganzen Planeten beeinflussen. In diesem fragilen Klimasystem haben schon kleinste Veränderungen große Auswirkungen. Deren Dramatik zeigt sich verzögert, denn bis zu einem Kipppunkt gehen die Veränderungen langsam vonstatten – bis es irgendwann kein Zurück mehr gibt.

Die Einflüsse der Erwärmung auf Luftmassen wie den Jetstream, aber auch den Golfstrom thematisiert sie so anschaulich, dass diese komplexen Vorgänge auch für Laien leicht verständlich sind. Auch Begriffe wie den Albedo-Effekt, die Rückstrahlfähigkeit des weißen Meereises, erklärt sie mit einer Analogie zu dunklen Jeans im Sommer.

Das Buch eignet sich für alle Neugierigen, ist spannend geschrieben und anschaulich erklärt. Es macht aber vor allem nachdenklich, wenn man sich vor Augen hält, dass die Fakten zur globalen Erwärmung seit mehr als 40 Jahren bekannt sind – und dennoch die Internetnutzung in Deutschland mehr Kohlendioxid ausstößt als der gesamte Flugverkehr. Das hat dramatische Effekte auf das – gar nicht so – ewige Eis und damit auch auf unser aller Lebensraum.

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