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Buchkritik zu »Fritten, Fett und Faltencreme«

In der Serie "Erlebnis Wissenschaft" ist nun der dritte Emsley zu haben, und er ist wieder vergnüglich und bildend. Wieder beeindruckt, was der einschlägige und vielseitige Popularisierer heutigen Chemie-Besitzstandes und in petto-Entwicklungen erfahren hat und unter die Leser zu bringen weiß, die auch dieser Chemie des Alltags III wieder zahlreich zu wünschen sind und die es fraglos finden wird, auch unter bereits ausgebufften Chemikern – wie viel mehr dann unter prospektiven Biochemikern und unserer Klientel, als Lehrende und als Lernende, aus der Chemie, die uns tagtäglich, genutzt, aber nicht bewusst, umgibt.

Das Nichtwissen um Zusammenhänge schafft Unbehagen und Unruhe. Chemie ist dadurch zu einer Drohung geworden, obgleich wir ohne sie gar nicht leben würden und sie grundlegend und zivilisierend gar nicht missen mögen. Jeder nicht total Bornierte und von Hysterie Verführte weiß, dass der Gegensatz Chemie/Natur eine sinnlose Konstruktion ist. Die Chemie einzig ist in der Lage, aus Abfall unserer Kultur wieder Natur zu machen, sozusagen Keulen zu Nahrung zu schreddern. Jedoch muss auch der zünftigste Chemiker die Möglichkeiten und Gefahren chemischer Umsetzungen und Einwirkungen ehrlich eingestehen dafür der eiferndste Laie die analytische Kirche im Haus lassen.

In diesem Buch erfährt dieser wissbegierige Laie sehr vieles über allerhand interessante und aktuelle Themen des täglichen Lebens mit und durch Chemie; ohne Jargon, aber leider auch mit einem, zwar verständlichen, aber zu bedauernden Fehlen chemischer Formeln, wurden diese von Chemikern doch als bildhafte Verständigungsmittel erfunden, um viele Worte zu ersetzen und ganzheitliche Chiffren für Moleküle und ihre Umsetzungen zu sein. Es wäre Pflicht der Schulerziehung, die zimperliche Angst vor Formeln, seien es mathematische oder physikalisch-chemische, von den Schülern zu nehmen, die ebenso neckisch wie läppisch ist in einer Zeit, die auf Vernunft und Emanzipation von Körper und Kopf, auf tätiges Verstehen von Naturwissenschaft und Technik setzt.

Ganz gleich, wir bekommen in gewohnt gut zubereitetem Menü, eine Menge aktuelles Wissen über Kosmetika und Desinfizienzien, über Essentielles in Nahrungs- und in Signalketten in Nerven- und Blutbahn, über Straßenbelag und Männlichkeit (beiseite: der Originaltitel des Buchs ist: "Vanity, Vitality, Virality" – im Vorwort schreiben Autor oder Übersetzer statt Viralitry: Viagra – ein Freudscher Lapsus? Übrigens viel amüsanter als der so steife, doch um den Stabreim bemühte deutsche Titel) über gestellte und ungestellte Fragen, die es aber durch Darstellungsweise und die nette zurückgelehnte Art des Belehrens herausfordert.

Wenn etwas zu monieren ist, dann die gut gemeinten, aber winzigklein auf gerastertem Grau gedruckten Nebenbemerkungen und das Fehlen eines Verzeichnisses der Kürzel, denn die Akronymitis musste im Zug der Zeit auch dieses Buch befallen, und es ist fast unmöglich, in einem Kapitel mittendrin anfangen zu wollen. Das nützliche Glossar hilft da nicht weiter. Anerkennenswert ist, dass der Übersetzer über seine Pflicht hinaus gearbeitet und Transposition in deutsche Pharmaverhältnisse geleistet hat. Das muss besonders belobt werden; ebenso die anständige Ausstattung seitens des Verlags. Hier ist ein liebenswürdiges Geschenk.

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  • Quellen
BIOspektrum 2/2005

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