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Buchkritik zu »Funktionelle MRT in Psychiatrie und Neurologie«

Sie hat in den vergangenen 15 Jahren die neurowissenschaftliche Forschung revolutioniert: die funktionelle Bildgebung mit Hilfe der Kernspintomografie, auch bekannt als funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Scannern nutzen mehr und mehr klinisch tätige Neurologen und Psychiater diese Technik. Auf den Fachkongressen ist dies an den immer längeren Sitzungen zu bildgebenden Verfahren abzulesen, wobei aber nicht alle Beiträge hohen wissenschaftlichen Qualitätskriterien genügen. Orientierung tut also not, nicht zuletzt, weil es sich hier um ein sehr teures Untersuchungsinstrument handelt.

Unter der Leitung der international renommierten Bildgebungsforscher Frank Schneider und Gereon R. Fink – Psychiater der eine, Neurologe der andere – legt ein Team von Autoren von den Universitätskliniken Aachen, Köln sowie dem Forschungszentrum Jülich ein 680 Seiten starkes Buch vor, das eine solche Orientierungshilfe geben will. Es ist zugleich das derzeit umfassendste Werk über die funktionelle Bildgebung in deutscher Sprache.

Die Herausgeber verfolgen das anspruchsvolle Ziel, von der Neuroanatomie, den physikalischen Grundlagen und der statistischen Auswertung von fMRTDaten über die Diskussion einzelner Funktionsbereiche wie Aufmerksamkeit und Sprache bis hin zu psychiatrischen Krankheitsbildern einen aktuellen Überblick über den Stand der fMRT zu geben. Auch neue Entwicklungen stellt der Band kompetent dar: darunter die so genannte real-time fMRT, bei der dem Probanden während des Versuchs unmittelbar Signaländerungen rückgemeldet werden, oder die Konnektivitätsanalyse, mit der die Zusammenarbeit von Hirnnetzwerken dargestellt wird.

Das Kompendium ist mit Ausnahme weniger Abschnitte auf einem sehr hohen Niveau geschrieben. Bei der raschen Entwicklung, die die Forschung mittels funktioneller Bildgebung derzeit nimmt, ist in einzelnen Kapiteln wie zum Gedächtnis oder zur Sprachverarbeitung ein vollständiger Überblick über den Stand der Forschung allerdings nicht möglich. Das ist aber auch nicht Ziel eines Lehrbuchs.

Dafür machen es umfangreiche Originaldaten sowie zahlreiche Grafiken auch dem Anfänger leicht, sich in das komplexe Themengebiet einzuarbeiten. Für Wissenschaftler von besonderem Wert sind Abschnitte, die anhand von Beispielen eine effektive Versuchsplanung erläutern.

Klinische Neurologen und Psychiater, die sich über Möglichkeiten und Grenzen der funktionellen Bildgebung informieren wollen, werden bei der Lektüre allerdings ernüchtert feststellen, dass die klinische Diagnose mittels fMRT bis auf wenige Ausnahmen immer noch Zukunftsmusik ist. Umso bedauerlicher, dass die Lokalisation von motorischen, sensorischen und Spracharealen vor neurochirurgischen Operationen nicht mit einem eigenen Kapitel behandelt wird, immerhin handelt es sich hier doch um eine der wenigen etablierten klinischen Anwendungen der fMRT.

Mit Ausnahme dieses Kritikpunkts beeindruckt das Buch mit hoher Sachkompetenz und ist allen zu empfehlen, die einen umfassenden Überblick über die methodischen Grundlagen und aktuellen Forschungsthemen in der funktionellen Bildgebung suchen.

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  • Quellen
Gehirn&Geist 12/2007

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