»Grüne Städte«: Stadtumbau in der Klimakrise
Unterschiedliche Klimazonen, verschiedene Kontinente und Siedlungsstrukturen: Claudia Acklin beschreibt mittelalterlich geprägte Städte wie Basel oder Bologna, europäische Hauptstädte wie Kopenhagen, Paris oder London, nordamerikanische Zentren wie Vancouver oder Portland und aufstrebende asiatische Metropolen wie Seoul oder Wuhan. All diese Städte kämpfen mit dem Klimawandel, mit Hitze und Starkregen, mit Verkehrsproblemen und großräumiger Flächenversiegelung. Und sie haben noch etwas gemeinsam: Sie haben Lösungen für ihre Probleme gesucht – Lösungen, die sich, wie Claudia Acklin überzeugend nachweist, auch auf andere Orte übertragen lassen.
Die Städte werden jeweils mit kurzen Steckbriefen vorgestellt, in denen ihre Geografie skizziert und ihre besonderen Herausforderungen in der Klimakrise benannt werden. In Singapur sind es beispielsweise Hitze, Starkregen, die stark begrenzte Landfläche und die daher sehr hohe Bevölkerungsdichte; in Vancouver sind es die Flächenbegrenzung durch die Lage, eingezwängt zwischen Pazifik und dem Küstengebirge, und die Waldbrandgefahr; in Paris und Basel sind es die sehr eng bebauten Stadtzentren, die zu Hitzestress führen, in Kopenhagen und Wuhan besondere Gefährdungen durch Starkregen.
Auf dem Weg zur »Schwammstadt«
Die beiden letztgenannten Städte mussten nach Starkregenkatastrophen handeln. In Kopenhagen haben 2011 nach einem Unwetter weite Teile der Innenstadt unter Wasser gestanden. Die Stadt legte schon bald danach ein neues Wassermanagement aus 300 Einzelmaßnahmen auf, das auf 20 Jahre angelegt ist. Darin finden sich einfache Maßnahmen wie Rasengittersteine auf Parkplätzen, die Wasser versickern lassen, und komplizierte wie der Umbau eines ganzen Stadtviertels, durch den 20 Prozent der versiegelten Fläche zu Grünflächen werden sollen.
Das Ziel heißt »Schwammstadt« – eine Stadt, die starke Regenfälle aufnimmt, das Wasser zunächst speichert und langsam wieder abgibt. Am weitesten auf dem Weg dorthin ist laut Acklin das chinesische Wuhan fortgeschritten. In der 13-Millionen-Metropole an der Mündung des Han-Flusses in den Yangtse werden alte Fehler korrigiert. Noch in den 1980er Jahren gab es mehr als 100 natürliche Seen im Stadtgebiet, die dann im Zuge der Industrialisierung zugeschüttet wurden. Die Bodenversiegelung rächte sich 2016, als bei Starkregenfällen Straßen zu reißenden Flüssen wurden. Seither wird umgesteuert: Neue Grünflächen wurden angelegt, Ufer renaturiert und Böden entsiegelt.
Die Bedeutung der sozialen Komponente
Das Modell Wuhan ist aus zweierlei Gründen lehrreich. Zum einen zeigt es, dass zentralistische, wenig demokratische Systeme leider oft schneller als Demokratien umsteuern können – wenn sie denn wollen. Wenn nicht, würde man allerdings mit Veränderungswünschen auf Granit beißen, denn die Partizipationsmöglichkeiten einer entwickelten Demokratie, die zum Gelingen solcher Projekte wesentlich beitragen können, sind in ihnen nicht vorgesehen. Im Idealfall kommen politischer Mut und bürgerschaftliches Engagement zusammen – und ermöglichen so eine Verkehrswende, wie sie in den Innenstädten von Paris und Kopenhagen gelang. Zweitens zeigt Wuhan, dass naturbasierte Lösungen nicht nur meist finanziell günstiger sind als technische, sondern auch das Stadtklima, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Stadtbewohner insgesamt verbessern.
Dieser grüne Stadtumbau mit Parks statt Durchfahrtsstraßen muss aber – und darauf weist Claudia Acklin besonders hin – immer eine soziale Komponente enthalten. Stadtregierungen sollten unbedingt darauf achten, dass der Umbau zu gesünderen, mit mehr Grünflächen und Parks durchsetzten Stadtquartieren führt, dabei aber nicht gleichzeitig zu einer sogenannten grünen Gentrifizierung. Denn ein neuer Park wird nicht nur die Attraktivität eines Viertels erhöhen – sondern wahrscheinlich auch die Wohnungspreise.
Claudia Acklins Buch bietet einen Überblick über die Möglichkeiten, Herausforderungen und Gewinne eines klimaresilienten Stadtumbaus. Es ist übersichtlich gegliedert, im Stil manchmal etwas akademisch-trocken, aber insgesamt eine wertvolle Lektüre für alle, die sich für Stadtplanung und Stadtumbau interessieren.
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