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Hawking für die Hosentasche

Der Astronom Florian Freistetter vermittelt einen spannenden Einblick in die faszinierende Welt der Schwarzen Löcher und des Urknalls.

Auf gerade einmal 97 Seiten stellt sich der Astronom und »Spektrum«-Kolumnist Florian Freistetter der Aufgabe, Stephen Hawkings (1942-2018) wissenschaftliches Lebenswerk verständlich zu vermitteln. Dies gelingt ihm durchaus gut. Freistetter gehört dem Wissenschaftskabarett »Science Busters« an und ist schon mehrfach als Autor aufgefallen, etwa der Bücher »Die Neuentdeckung des Himmels« (2014) oder »Asteroid now« (2015).

Wie bei vermutlich vielen anderen auch – die Autorin dieser Zeilen eingeschlossen –, weckte Hawkings berühmtes Buch »Eine kurze Geschichte der Zeit« (2001) einst Freistetters Interesse an Naturwissenschaft. Wie kein anderer verstand es der britische Physiker, seine überaus komplexen Arbeiten mit der Öffentlichkeit zu teilen. Auch Freistetter ist viel an diesem Ziel gelegen: »Die beste Forschung ist nichts wert, wenn sie nicht kommuniziert wird. Und das gilt ganz besonders für abstrakte Grundlagenforschung, wie Hawking sie betrieb.« Daher versucht der Autor, die Errungenschaften des genialen Physikers verständlich und konzise wiederzugeben.

Vor dem Urknall

Das Buch beginnt mit Hawkings Dissertation, in der es um den Anfang des Universums geht: dem Urknall. Von dort aus arbeitet sich Freistetter durch die unterschiedlichen Forschungsthemen des britischen Physikers, von Gravitationswellen über Schwarze Löcher bis hin zur Frage, was es vor dem Urknall gab. Häufig fördern dabei anschauliche Bilder oder hilfreiche Grafiken das Verständnis. In einem Abschnitt skizziert Freistetter beispielsweise den Aufbau eines Interferometers, um den sensationellen experimentellen Nachweis der Gravitationswellen im Jahr 2015 zu erklären.

Der Autor bemüht sich darum, nicht bloß die üblichen und teilweise zu stark vereinfachten Beschreibungen zu liefern. Das zeigt sich vor allem in dem Kapitel über das seltsame Phänomen der Hawking-Strahlung, wonach Schwarze Löcher thermische Energie abstrahlen.

An einigen Stellen bleiben Fragen unbeantwortet, was angesichts der Kürze des Werks nicht weiter verwundert. Freistetter liefert aber zahlreiche interessante Literaturtipps, mit denen die Leser ihren Wissensdurst stillen können. Insgesamt erweist sich das Buch als erhellende und kurzweilige Lektüre, die einen anschaulichen Überblick gibt über die abstrakten Arbeiten eines der berühmtesten Wissenschaftler unserer Zeit.

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