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Aus der Praxis des "Seelenklempners"

Psychotherapie ist harte Arbeit und macht dennoch niemanden gesund. Denn wer in der frühen Kindheit zu wenig Liebe und Bestätigung von den Eltern erfahren hat, wird das ganze Leben lang an seinem Verhalten arbeiten müssen. Und zwar am besten mit einem Therapeuten, der sich nicht scheut, die Patienten herauszufordern und ihnen ihre negativen Seiten vorzuhalten. So lautet jedenfalls das Fazit von Hans-Joachim Maaz, der als Psychotherapeut arbeitet und bereits mehrere gesellschaftskritische Bücher verfasst hat.

In seinem neuen Werk "Hilfe! Psychotherapie" möchte er den Arbeitsalltag eines Therapeuten beleuchten. Es soll angehenden Kollegen als Leitfaden dienen und potenziellen Patienten ein Ratgeber sein. Doch leider führt der Untertitel "Wie sie funktioniert und was sie leistet" in die Irre. Er suggeriert, der Leser erfahre etwas über die Funktionsweise und Wirksamkeit verschiedener Therapieverfahren, untermauert mit wissenschaftlichen Befunden. Doch stattdessen beschränkt sich der Autor auf sein eigenes Tätigkeitsfeld, die psychodynamische Therapie – und bezieht sich hier auch weniger auf die Fachliteratur als auf seine über 40-jährige Berufserfahrung. Heraus kommt eine bunt gemischte Sammlung subjektiv-kritischer Gedanken statt eines Psychotherapie-Führers, der sich um Ausgewogenheit bemüht.

Tägliche Gratwanderung

Wie hat die Beziehung zwischen Therapeut und Patient auszusehen? Wie findet der Fachmann die Balance zwischen wohltuendem Verständnis und provozierender Irritation des Patienten? Wann sollte er an aktuellen Konflikten und wann eher an der Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen arbeiten? Und wie mit sexuellen Fantasien seines Gegenübers umgehen? Solche und ähnliche Fragen beantwortet Maaz anhand zahlreicher anschaulicher Beispiele aus seinem Praxisalltag. Immer wieder scheint dabei seine stark psychoanalytische geprägte und gesellschaftskritische Haltung durch.

Verhielten sich Mutter und Vater in den ersten Lebensjahren nicht angemessen – schreibt Maaz beispielsweise –, entwickelten ihre Kinder eine gestörte Persönlichkeitsstruktur. Diese führe im Laufe des Lebens zu psychischen und körperlichen Beschwerden und erschwere die Gestaltung einer erfüllenden Partnerschaft. Auf der Suche nach Wärme und Bestätigung verliebten sich die Betroffenen dann etwa Hals über Kopf und idealisierten den Partner als potenziellen Erlöser von bisheriger Not. Oder sie würden straffällig, da es ihnen in der Kindheit an Zuwendung und liebevoller elterlicher Bindung gemangelt habe. Oder – kleine Ironie – sie ergriffen den Beruf des Psychotherapeuten, um ihr "narzisstisches Bedürfnis nach Anerkennung" zu befriedigen.

Anstöße zum kritischen Nachdenken

Maaz’ Buch bietet einen persönlich getönten, durchaus interessanten Einblick in die psychoanalytische Behandlung und die dahinter stehenden Auffassungen. Der Autor liefert reichlich Diskussionsstoff und dürfte sein Ziel, zum kritischen Nachdenken anzuregen, bei fast allen Lesern erreichen. Ein allgemeingültiger Ratgeber mit Aufklärungspotenzial ist sein Werk allerdings nicht. Wer sich über verschiedene Psychotherapieformen informieren und diese vergleichen möchte, der greife lieber zu anderen Titeln.

25. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25. KW 2014

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