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»Himmlische Wörter«: Um Himmels willen!

Himmlische Phänomene sind in unserer Sprache extrem präsent. Die Idee, dieser Verbindung nachzugehen, ist gut. Ihre Umsetzung in diesem Buch leider nicht.

Viele Wörter und Redensarten haben ihren Ursprung in der Astronomie oder zumindest einen Bezug zu Himmelsphänomenen. So stehen manche Dinge »unter keinem guten Stern«, in Frankreich gab es einen »Sonnenkönig«, oder die Kosmetik ist irgendwie »kosmisch«. Warum also nicht einmal in der Sprache auf die Suche nach solchen Verbindungen gehen?

Wie zu erwarten gibt es eine sehr große Zahl an himmlischen Wörtern und Redewendungen. Um etwas Ordnung in diesen Ausflug in die Sprache zu bringen, gliedern die Autoren ihr Werk in sechs Kapitel zu Himmel, Licht, Sternen, Kosmos, Sonnensystem und Kalendern. Diesen 180 Seiten Haupttext folgen ein Epilog sowie ein 60-seitiges Glossar, das die Wörter in alphabetischer Reihenfolge vorstellt.

Astronomisches Frühstück

In der Fülle der Beispiele finden sich durchaus interessante Zusammenhänge. So ist die Kosmetik tatsächlich »kosmisch«, denn sie stellt (zumindest äußerlich) eine gewisse Ordnung her – was sich mit dem Sinn des altgriechischen Wortes »Kosmos« deckt. Ceres, die römische Göttin von Ackerbau und Fruchtbarkeit, ist Namenspatin für den Kleinplaneten, der zwischen Mars und Jupiter seine Bahnen um die Sonne zieht. Cerealien, die man zum Frühstück verspeist, haben so tatsächlich einen astronomischen Bezug, ebenso wie das Croissant, das – richtig herum gehalten – an den zunehmenden Mond erinnert.

Das klingt eigentlich nach einer vergnüglichen Lektüre, doch leider täuscht dieser erste Eindruck. Fast durchgängig hat man das Gefühl, eine stichwortartige Auflistung zu lesen, die nur ab und zu durch kleine Geschichten unterbrochen wird. So erreichen die Autoren eine hohe Faktendichte, doch ein Lesefluss will sich einfach nicht einstellen – hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen. Dieser Stil wird geradezu abstrus, wenn etwa Goethes Monumentalwerk »Faust« in einem knappen Satz vorgestellt wird. Denn wer den Text des Klassikers nicht kennt, dem bringt der entsprechende Einzeiler sicher keinen Erkenntnisgewinn. So quält man sich als Leser zumindest durch die ersten fünf Kapitel. Lediglich das sechste Kapitel zu den Kalendern unterscheidet sich grundlegend. Hier geht es dann auch weniger um Wörter als um die Geschichte der Zeitrechnung. Und diese lässt sich erzählen, und gleich wird der Text viel besser lesbar – zumal das Thema allemal interessant ist.

Holpriger Stil und Fehler im Detail

Der Autor Daniel Kunth ist ein französischer Astronom, der bereits viele populärwissenschaftliche Bücher veröffentlicht hat. Umso erstaunlicher sind einige Schnitzer im Text: So wird auf Seite 156 behauptet, dass Saturn ein Planet sei, der im Sommer gut im Teleskop zu beobachten sei. Natürlich ist es angenehmer, in warmen Sommernächten durch ein Fernrohr zu blicken, als im Winter. Aber Planeten bewegen sich und sind deswegen immer wieder zu unterschiedlichen Jahreszeiten sichtbar. Oder auf Seite 132 findet sich eine Definition für Zwergplaneten – aber leider eine falsche. Und ob alle Astronomen zustimmen würden, dass »sie spüren, dass der Abstand zu den Himmelskörpern eine Form der Entbehrung ist – und zugleich eine Möglichkeit, die eigene Ohnmacht gegenüber diesem faszinierenden Phänomen zu überwinden«? Für mich klingt dieser Satz eher nach schwülstigem Kauderwelsch und dürfte zumindest nicht repräsentativ beschreiben, wie man sich beim Beobachten des Himmels fühlt.

Das Buch wurde von Daniel Kunth zunächst 2015 auf Französisch verfasst – was erklärt, warum auch in der deutschen Version sehr viele Beispiele aus dieser Sprache aufgeführt werden. 2024 erschien dann eine englische Ausgabe unter dem Titel »StarWords«; hier fungierte die Astronomin Elena Terlevich als Co-Autorin. An der deutschen Ausgabe wirkte nun die Sprachwissenschaftlerin Carola Koubek mit. Einen gemeinsamen Stil haben die beiden aber nicht gefunden – man hat eigentlich immer eine ziemlich deutliche Ahnung, ob gerade der Astronom oder die Sprachwissenschaftlerin formuliert.

Ob das unschöne Leseerlebnis auch der mangelnden Redaktion dessen zuzurechnen ist, was eine KI zur deutschen Übersetzung beigesteuert hat? Im Impressum steht dazu Folgendes: »Dieses Buch ist eine Übersetzung des Originals in Englisch ›StarWords‹ […] Die Übersetzung erfolgte mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (maschinelle Übersetzung). Eine anschließende Überarbeitung im Satzbetrieb erfolgte vor allem in inhaltlicher Hinsicht, so dass sich das Buch stilistisch anders lesen wird als eine herkömmliche Übersetzung.«

Das kann man wohl sagen. Der Text ist sprachlich reichlich holprig, sodass ich seine Lektüre nicht empfehlen kann. Immerhin habe ich in diesem Buch erfahren, dass auch »Desaster« ein Wort himmlischen Ursprungs ist.

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