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»Ich mag Physik«: Der innere Funke

Physik ist überall: Mit Neugier und Fantasie macht sich Miguel Tancos kleine Heldin in unterhaltsam gezeichneten Bildern auf, die Naturgesetze zu verstehen und ihren eigenen Weg zu finden.

Ein kleines Mädchen ist auf der großen Suche nach dem Platz im Leben, auf der Suche nach seiner Identität. Die Mutter – eine Träumerin. Der Vater – ein Handwerker. Die älteren Brüder – Tüftler und Bastler. Doch was ist es, das die junge namenlose Heldin in Miguel Tancos erzählendem Bilderbuch für Grundschulkinder antreibt? Was ist das für ein Feuer, dass sie im Inneren spürt? Der englische Originaltitel von »Ich mag Physik« trifft den Kern der Sache hier viel besser: »The Spark in Me«, der »Funken in mir«.

Es sind vor allem endlose Fragen, die die Kleine Tag für Tag beschäftigen: Warum ist der Weltraum so dunkel, obwohl er voller Sterne ist? Warum ist Schnee weiß, obwohl Wasser durchsichtig ist? Kann ich schneller sein als mein Echo? Im Unterricht darf das Mädchen der Klasse seine gesammelten Fragen vorstellen. Die Lehrerin hat zwar keine Antworten parat, begleitet die Kleine dafür zur Recherche in die Bibliothek. Und gibt ihr eine mutmachende Botschaft mit auf den Weg: »All deine Träume können wahr werden!« In dieser Szene bricht Miguel Tanaco damit auch gesellschaftliche Stereotypen auf, ohne Feminismus explizit zum Thema zu machen: Der Physikfan und damit die Heldin des Buchs ist ein Mädchen, und die entscheidende Wegweisung kommt von einer Lehrerin.

In naturwissenschaftlichen Büchern findet das Mädchen die Antworten auf viele Fragen, die im Buch etwa so skizziert werden: Der Himmel ist nachts dunkel, weil die Sterne so weit weg sind, und deshalb nicht den gesamten Weltraum erhellen können. Manche transparenten Dinge, wie Glas oder Wasser, lassen Licht hindurch, sodass man durch sie hindurchsehen kann. Schnee hingegen besteht aus kleinen Kristallen. Wenn Licht darauf trifft, wird es zwischen den Kristallen hin und her reflektiert und kann nicht mehr hindurchdringen. Und der Schall ist 34-mal so schnell wie ein Spitzensportler. Doch was noch viel wichtiger ist: Inmitten von Büchern und Magazinen lernt das Mädchen endlich auch mehr über seinen »inneren Funken«: »Jetzt weiß ich, dass es einen Namen für das gibt, was mich begeistert. Es heißt Physik!«

Physik ist überall und beeinflusst unser Leben

Der spanische Autor und Illustrator Miguel Tanco hat sein ebenso erkenntnisreiches wie unterhaltsames Kinderbuch zweigeteilt: In der ersten Hälfte begleiten wir das Mädchen auf seiner Selbsterfahrungsreise. Auf jeweils einer Doppelseite entwirft Tanco mit seinen leichten und lebendigen Zeichnungen farbenfrohe Szenen in übersichtlichem Layout mit knappen und schnörkellosen Texten. Die reichen auch aus, denn die dynamischen, witzigen Aquarellbilder sprechen für sich und erzählen den Fortgang der Handlung auf ihre Weise. Darüber freuen sich nicht nur Leseanfänger.

Mal sehen wir die Kleine zusammen mit ihrer quirligen Familie, mal im Klassenzimmer beim Vortrag. Dann wiederum spiegeln die Bilder wider, was sich alles in ihrem Kopf abspielt: Im Haus steht sie auf der Zimmerdecke, sie schreit von der Felskante herab oder segelt in einem riesigen Papierboot über das Meer. So werden spielerisch Naturgesetze und -phänomene wie Schwerkraft, Schall oder Auftrieb in witzigen Situationen wortwörtlich auf den Kopf gestellt und gerade dadurch verständlich. Klar wird auch: Physik ist keineswegs nur ein ödes unverständliches Unterrichtsfach, sondern umgibt uns überall und beeinflusst unser Leben.

Die zweite Buchhälfte füllt das »Physikheft« des Mädchens mit einfachen schwarz-weißen Tintenzeichnungen und leicht verständlichen Texten, die Naturgesetze anschaulich und kinderkompatibel erklären. Für die wissenschaftliche Überprüfung stand dem Autor die Astrophysikerin Silvia Garbari von der Universität Zürich beratend zur Seite. Eine schöne Einführung in die Physik für Kinder, bei der auch erwachsene, nicht naturwissenschaftlich vorgebildete Vorleser den einen oder anderen Aha-Effekt erleben können.

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