»Ich rede, also bin ich«: Wissenswertes für den nächsten Smalltalk
Manche erinnern sich an Julia Mailänder vielleicht aus einer »Wetten, dass..?«-Sendung aus dem Jahr 2023: Damals wurde sie Wettkönigin, nachdem sie über 200 Barcodes korrekt unterschieden und zugeordnet hatte. 2019 hat Mailänder in San Sebastián einen Masterabschluss in »Cognitive Neuroscience of Language« gemacht und 2022 ihr erstes Buch »Hirn to go« (damals noch unter dem Namen »Julia Reichert«) veröffentlicht. Nun legt sie mit »Ich rede, also bin ich« einen Streifzug durch die vielfältigen Facetten der Sprache vor.
Das Buch versammelt 42 »Geheimnisse«, die Fragen aufgreifen wie: »Wie entsteht ein Wort?«, »Reden Frauen anders als Männer?« oder »Was hat unsere Ursprache mit Pferden zu tun?« Die Themen sind in fünf Teile gegliedert, die sich dem Zusammenhang von Sprache mit Philosophie, Psychologie und Gesellschaft sowie den Grenzen der Sprache und schließlich ihrer Geschichte bis in die Gegenwart als Zeitalter der künstlichen Intelligenz widmen. Diese Systematisierung einer großen thematischen Spannbreite täuscht aber ein wenig darüber hinweg, dass die einzelnen Episoden nur punktuell miteinander verknüpft sind. Die im Titel angekündigten »Geheimnisse« erweisen sich dabei meist als gut erzählte, mitunter überraschende Wissenshäppchen.
Sprachwissen in kleinen Portionen
Eine Stärke des Buchs liegt in seiner Anschaulichkeit: Mailänder schreibt zugänglich, unterhaltsam und mit Sinn für pointierte Beispiele. Jedes »Geheimnis« umfasst nur wenige Seiten, die Kapitel beginnen zudem mit knappen Stichpunktübersichten. Das erleichtert die Orientierung und lädt dazu ein, selektiv zu lesen. Wer nicht bereits mit neurolinguistischen Fragestellungen vertraut ist, dürfte dabei zahlreiche Aha-Momente erleben. Das Quellenverzeichnis deutet darauf hin, dass die Darstellung auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage basiert.
Wer hingegen eine systematische Einführung oder eine theoretische Erläuterung der Beispiele erwartet, wird eher enttäuscht sein. Mailänder verzichtet vollständig auf einen übergreifenden Argumentationsbogen. Es gibt zwar ein kurzes Vorwort, aber keine Einleitung, ebenso fehlt ein ausführliches Fazit. Das knapp gehaltene Schlusswort streift das Thema »Sprachwandel durch KI« auf gerade einmal anderthalb Seiten, anstatt die einzelnen Punkte des Buchs dazu zusammenzuziehen. Über die Kapitel hinausgehende Einordnungen bleiben aus, ebenso Überlegungen dazu, welche praktische Relevanz die präsentierten Erkenntnisse haben könnten.
So ist »Ich rede, also bin ich« ein Buch voller unterhaltsamer Wissenshäppchen, das zum Stöbern einlädt und mit pointierten Einblicken unterhält. Seine Stärke liegt weniger in der Tiefe als in der Breite, in der es Leserinnen und Leser mit überraschenden Einsichten zur Sprache versorgt, die sich beim nächsten Gespräch unterhaltsam weitertragen lassen.
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