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Wissenskrimi mit Abstrichen

Saatgutexperimente in der Kälte. Ein norwegischer Wissenschaftler, der mit seiner geheimen Arbeit die Welt retten möchte. Skrupellose Gegenspieler, die dessen Erkenntnisse und damit die Macht an sich reißen wollen. Ein ebenso unscheinbarer wie unfreiwilliger Held, der all die bösen Pläne durchkreuzt.

Nicht mehr ganz so junge Leser könnten sich bei dieser Zusammenstellung an die ZDF-Weihnachtsserie "Patrik Pacard" erinnert fühlen, die 1984 erstmals ausgestrahlt wurde. Seither sind nicht nur die Zuschauer gealtert. Auch das Thema selbst ist merklich gereift und gewinnt im vorliegenden Kriminalroman, der sich um Genpiraterie dreht, an Substanz. Denn der Autor Christoph Seidler ist Wissenschaftsjournalist, Redakteur bei "Spiegel Online" und begnügt sich nicht mit Phantastereien. Vielmehr hat er eine gut recherchierte Geschichte zu Papier gebracht und erläutert darin ganz nebenbei wissenschaftliche Fakten zu Saatgutexperimenten, Gentechnik und den Gefahren, die aus beidem erwachsen. In dem Buch zeichnet er ein Szenario, von dem man sich leicht vorstellen kann, dass es sich so oder so ähnlich auch im realen Leben abspielen könnte (oder vielleicht auch tut), was für einen ordentlichen Gruselfaktor sorgt.

Datenklau per Stick

Rein aus der Perspektive eines Krimifans muss man jedoch Abstriche machen. So beginnt die Geschichte eher schleppend, und man fragt sich anfangs, warum man dem etwas farblosen Klimatechniker Henri in seinen Schweizer Datenbunker folgen soll – und weshalb diesem Schluffi derart tolle Frauen zu Füßen liegen. Für Verwunderung sorgt zudem, wie schnell Henri sich von seiner besten Freundin überreden lässt, mal eben ein paar Daten aus dem Hochsicherheitsverlies zu klauen, und wie simpel das per USB-Stick zunächst gelingt.

Zwar wächst das Tempo der Erzählung mit der Zeit, und es entfaltet sich eine fesselnde Story mit furiosem Showdown auf Spitzbergen. Den Gipfel des Krimivergnügens erklimmt "Kalte Saat" dennoch nicht. Zu sehr häufen sich die zufälligen Begegnungen und Ereignisse, zu offensichtlich treten die Bösewichte auf den Plan, und zu bald wird klar, wohin der Hase läuft. So kommt denn das Ende zwar ziemlich fulminant, aber in der Auflösung wenig überraschend daher.

Trotz alledem ist das Buch durchaus empfehlenswert, zumal es nicht die Welt kostet. Genpiraterie und Saatgutmanipulation sind brandaktuelle Themen, und es schadet nicht, sich damit auseinander zu setzen. Wie schön, wenn man dafür nicht zwingend Fachliteratur bemühen muss, sondern es ganz nebenbei und kurzweilig als Romanlektüre erledigen kann.

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