»Klima, Rohstoffe und Prognosen«: Die Megatrends für 2050
Wie werden Rohstoffe, Energie und Nahrungsmittel in den kommenden Jahrzehnten zur Verfügung stehen? Welche Megatrends sind hier erkennbar? Mit diesen Fragen setzt sich der Physiker Michael Has auseinander. Er skizziert, wie die Zukunft und das gesellschaftliche Leben im Jahr 2050 aussehen könnten. Has lehrt seit 1998 an der »Université Grenoble Alpes«, zu seinen Schwerpunkten gehören »Neue Technologien« und »Nachhaltigkeit«.
An vielen anderen Trendanalysen oder Zukunftsszenarien stört ihn vor allem eines: Sie würden wichtige Aspekte wie den Klimawandel oder die zukünftige Energieversorgung vernachlässigen. Laut Has dürften wichtige Rohstoffe schon in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht sein, und auch ein konsequenteres Recycling böte keine Lösung dieses Problems. Wenn sich das Klima wandele, würde zudem die Bodenerosion voranschreiten. Dadurch würden Lebensmittel knapp, zumal Kunstdünger nicht mehr in ausreichendem Maße verfügbar wäre. Die Energieversorgung sei ebenfalls nicht sicher, da der Ausbau erneuerbarer Energiequellen zu langsam voranschreite. Auf Basis dieser Annahmen entwickelt er verschiedene Szenarien für das Jahr 2050 und führt dabei zahlreiche Studien zu den technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen an. Und er vergleicht die Situation mit der ähnlich kritischen Lage im Nachkriegsdeutschland – wobei er selbst immer wieder die Unterschiede zu dieser Zeit betont.
Allerdings sind auch Has‘ Annahmen mitunter nicht so gesichert, wie dies der Autor suggeriert. So geht er beispielsweise von sinkenden Steuereinnahmen aus, was die Verschuldung der Staaten erhöhe und ihnen die Klimaanpassung erschwere. Das ist jedoch kein Naturgesetz, sondern hängt von politischen Entscheidungen ab. Aktuell wird in Deutschland etwa eine Steuer für Vermögende oder Privatjets diskutiert, auch eine Erhöhung des CO₂-Preises steht im Raum. Der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen nimmt zudem vielerorts Fahrt auf, und auch beim Recycling von High-End-Produkten gibt es Fortschritte.
Von Privathaushalten bis zum Quantencomputing
Has nimmt globale Entwicklungen ebenso in den Blick wie Privathaushalte. Dabei reißt er nicht nur zu viele Themen an, er springt auch zwischen den Themen hin und her. So betrachtet er Szenarien zu globalen Megatrends wie die »hypervernetze Welt – Leben im digitalen Ökosystem«, bei der in vernetzten Städten »physische und digitale Welten verschmelzen«, was mit einer explosionsartigen Zunahme von Datenmengen sowie Fortschritten bei Blockchain und Quantencomputing einhergehe. Das ist inhaltlich schwer verdaulich – was auch für das Kapitel zur Bestimmung des Wohlbefindens der Bürger eines Landes gilt. Es folgen Informationen zum achtsamen Verbrauch, zur Vermeidung toxischer Stoffe im Haushalt und über die »beträchtliche Umweltbelastung durch Haustiere«.
Zudem wiederholt der Autor häufig allseits bekannte Informationen und Prognosen wie die Tatsache, dass ärmere Länder stärker vom Klimawandel betroffen wären, dass das Ziel von Recycling darin liege, weniger neue Rohstoffe zu verbrauchen, oder dass im Jahr 2050 Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben dominieren würden. »Ja klar«, möchte man als Leser ausrufen, »das wissen wir!« Die Lust am Lesen mindert dies ebenso wie die besagten Wiederholungen und manche arg nüchterne Formulierungen, etwa wenn Has von »Ziel- und Nichtzielmaterial« schreibt. Dieser Sprachgebrauch eignet sich sicher für eine Vorlesung, auf Leser wirkt das ermüdend. Auch in die Grafiken hätte mehr Sorgfalt fließen dürfen – bleiben sie doch oft oberflächlich und werden dadurch unverständlich.
Dennoch lohnt es sich, die von Michael Has entwickelten Zukunftsszenarien zu bedenken. Denn seine Grundannahme dürfte zutreffen, die besagt, dass »kein Aspekt des täglichen Lebens von Klimaänderungen und Versorgungsengpässen unberührt bleiben wird«.
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