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»Konrad Lorenz«: Konrad Lorenz: eine besondere Karriere

Benedikt Föger und Klaus Taschwer dokumentieren nicht nur Leben und Werk des Konrad Lorenz, sie gewähren auch spannende Einblicke in die Verhaltensforschung. Ihr Buch ist ein wissenschaftshistorisches Standardwerk, das man gerne und mit Gewinn liest.
Graugänse auf Föhr, im Hintergrund ein Windrad

Im Jahr 1973 wurde Konrad Lorenz gemeinsam mit den Verhaltensforschern Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen für ihre »Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern« mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Die wissenschaftlichen Leistungen des weithin bekannten Begründers der Verhaltensforschung waren damals unbestritten, sein Handeln während der NS-Zeit wurde erst später kritisiert.

Den 50.  Jahrestag dieser Ehrung haben die Wissenschaftsjournalisten Benedikt Föger und Klaus Taschwer zum Anlass genommen, ihre vor 20 Jahren geschriebene Lorenz- Biografie zu aktualisieren und um mehr als 130 Seiten zu erweitern. Die Darstellung des Lebens von Konrad Lorenz ist ausführlich und ausgewogen und durch viele Zitate und Literaturquellen belegt. Wie in der Einleitung betont wird, versuchen die Autoren dabei, das aus unserer heutigen Sicht Wesentliche herauszuarbeiten und zugleich eine möglichst unvoreingenommene Perspektive auf dieses einzigartige Leben und Werk zu wahren. Die Autoren haben zusätzlich umfangreiches und weithin unbekanntes Material aus privaten und öffentlichen Archiven gesichtet und in ihr Buch eingearbeitet.

Eine späte Karriere

Im Zentrum der Biografie steht die Forschung von Konrad Lorenz, der sich seit Kindertagen mit Vögeln und anderen Tieren beschäftigte und mit ihnen lebte. Die Beobachtung von Gänsen, Enten, Dohlen und anderer Tiere legten den Grundstein für seine lebenslange wissenschaftliche Arbeit. Die Autoren schildern seinen komplexen Lebenslauf, der zunächst stark von seinem Vater, einem international anerkannten und berühmten Orthopäden, beeinflusst worden war. Dass sein Sohn zwar Medizin studierte, aber keine medizinische Laufbahn einschlagen wollte, sondern lieber tagelang Vögel beobachtete, konnte der Vater nicht verstehen. Auch in akademischen Kreisen blieb die Forschung von Konrad Lorenz zunächst unbeachtet. Seine ersten Ergebnisse stammten aus Tierbeobachtungen in Altenberg bei Wien, wo er im Jahr 1928 eine private zoologische Forschungsstation aufbaute. Im Jahr 1936 habilitierte sich Lorenz für das Fach vergleichende Anatomie und Tierpsychologie, war jedoch »Privatgelehrter« ohne feste Bindung an eine Universität. Seine offizielle akademische Laufbahn begann erst im Jahr 1940 mit dem Ruf an die Universität von Königsberg, wo er Professor für vergleichende Psychologie wurde. Diese akademische Karriere wurde jedoch vom Zweiten Weltkrieg für viele Jahre unterbrochen. Lorenz wurde schon 1941 als Militärarzt zum Wehrdienst eingezogen und war von 1944 bis 1948 in russischer Gefangenschaft.

Die Autoren gehen auch ausführlich auf die zeitweilige Nähe von Konrad Lorenz zum Nationalsozialismus ein und bewerten diese kritisch, aber auch unter Berücksichtigung der damals herrschenden Bedingungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Konrad Lorenz durch die Max-Planck-Gesellschaft gefördert, und seine erfolgreiche Tätigkeit resultierte in der Gründung eines Instituts für Verhaltensphysiologie in Seewiesen. Konrad Lorenz war der Begründer der vergleichenden Verhaltensforschung, die seitdem als eigenständiges akademisches Fach angesehen wird und zumindest im deutschsprachigen Raum sehr eng mit seiner Person verbunden ist. Neben seinen fachwissenschaftlichen Publikationen sprach Lorenz mit vielen populärwissenschaftlichen Büchern auch ein breites Publikum an, ebenso mit seinem Engagement für den Umweltschutz. All dies führte dazu, dass die Ethologie auch außerhalb der akademischen Welt bekannt wurde.

Im Gegensatz zu einem thematisch ähnlichen Roman ist dieses umfangreiche und angenehm zu lesende Werk ein Sachbuch und bietet nicht nur Einblick in ein erfolgreiches Forscherleben und ein interessantes Feld der Wissenschaft, sondern es illustriert auch die zugehörige Zeitepoche. Umfangreiche Zitate, erklärende Anmerkungen sowie eine ausführliche Bibliografie machen dieses Buch zu einem wissenschaftshistorischen Standardwerk, das man gerne und mit Gewinn liest.

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