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Buchkritik zu »Kosmologie für die Westentasche«

Wenn der Astrophysiker Rudolf Kippenhahn als Titel seines neuesten Buches zu einem "Oxymoron" greift, dann besteht Schmunzelverdacht. Ein Oxymoron vereint für gewöhnlich Unvereinbares wie etwa einen eckigen Kreis oder eben die "Kosmologie für die Westentasche".

Ob das gut geht: die Lehre vom Großen und Ganzen in ein kleines Täschchen zu packen? Sind all die riesigen Fragen, die der Kosmos uns stellt, wirklich mit kurzen Texten erschöpfend zu beantworten?

Auch der erfahrene Sachbuchautor Kippenhahn zweifelte zuerst, wie er im Vorwort preisgibt, "ob sich das Thema in einer Westentaschenreihe zufrieden stellend behandeln lässt". Doch was danach folgt, sind fünfzig jeweils knapp umrissene Themen, die jeden Laien prägnant und griffig in das gesamte Kaleidoskop der astronomischen Fragen, Objekte und kosmologischen Weltbilder einführen. – Wie fern sind Sterne? Warum entfliehen alle Galaxien? Wo ist das Universum entstanden? Woher stammen die ersten Elemente? Wie alt ist das Weltall? Gibt es fremde Universen?

Das handlich schmale Bändchen tut dies selbst bei scheinbar banalen Themen so, dass man – auch wenn man sich gelegentlich schon kundig glaubt – sich dies oder jenes noch einmal gerne zu Gemüte führt. Denn Kippenhahn weiß, mehr vielleicht als andere Astroautoren, die reine Wissenschaft unterhaltsam zum Schicksal des Menschen und seinem historischen Hintergrund in Beziehung zu setzen.

"Tatsächlich erfasst die Naturwissenschaft nur einen kleinen Teil unseres Lebens", schreibt Kippenhahn am Ende seines vergnüglichen Parcours und spricht das Verhältnis von Wissenschaft und Religion an. "Es sind die Religionen, die Antworten geben." Und er bekennt: "Das Wissen um Naturgesetze wird in ihnen ersetzt durch den Glauben an Dinge, die nicht bewiesen werden müssen. Diese Welt benötigt der Mensch vielleicht mehr als die der Naturwissenschaftler. Ich glaube nicht, dass die eine die andere stützen oder widerlegen kann." Viele Missverständnisse ließen sich vermeiden, wenn solche Sätze mehr beherzigt würden.

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  • Quellen
Astronomie Heute 4/03

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