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»Krieg der Medien«: Wer kontrolliert den Zugang zur Öffentlichkeit?

Digitale Plattformen seien keine neutralen Kanäle mehr, sondern kontrollierten immer stärker zentrale Zugänge zur Öffentlichkeit. Martin Andree beschreibt das als »Krieg der Medien«.

Das meiste von dem, was Martin Andree in seinem Buch anführt, hat man schon irgendwo gehört oder gelesen. Bei vielem war man sogar Zeitzeuge; etwa bei den letzten US-Wahlen, die Donald Trump gewann, obwohl es lange so aussah, als hätte seine demokratische Konkurrentin Kamala Harris bessere Siegchancen; beim Aufstieg von Milliardär Elon Musk als politischem Akteur; und dabei, wie unter anderem diese beiden demokratische Institutionen zunehmend unter Druck setzten und immer noch setzen.

Dass der Medienwissenschaftler Andree viele bekannte News und Schlagzeilen wiederholt, könnte man als Schwäche seines Buchs betrachten. Dass wir ständig mit diesen Phänomenen konfrontiert sind, heißt jedoch nicht automatisch, dass wir sie in ihren wichtigsten Zusammenhängen und Dimensionen auch wirklich begreifen. Und genau dazu dient »Krieg der Medien«: sie in einen umfassenden Veränderungsprozess einzuordnen.

Unendliche Möglichkeiten der Erpressung

Andree beschreibt keinen diffusen »Wandel«, sondern einen sehr konkreten Krieg um die Medieninfrastruktur. Seine zentrale These lautet: Wir erleben eine historische Ausnahmesituation, in der Mediengattungen erstmals in ein privates Machtmonopol übergehen. Historisch, so seine Argumentation, seien Medien bislang nie vollständig im Besitz einzelner Akteure gewesen, sondern hätten zur gesellschaftlichen Infrastruktur gehört.

Heute dagegen bündele sich die Mediennutzung in den Silos weniger Plattformen mit Monopolcharakter – eben jenen von Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Peter Thiel. Für Andree ist das kein bloßes Wirtschaftsphänomen, sondern eine Machtfrage: »Wer nämlich Monopole und Oligopole besitzt, die den Zugang zu öffentlichen Gütern versperren, der verfügt über unendliche Möglichkeiten der Erpressung«, schreibt er.

Genau hier wird sein Argument greifbar. Denn so beherrschten diese Monopole nicht mehr »nur« Märkte, sondern würden zu neuen Torwächtern der Öffentlichkeit. Früher führten viele Wege zur Sichtbarkeit. Heute entscheiden, so Andree, eine Handvoll Plattformen darüber, was gesehen werde und was nicht – und das auch in Europa weitgehend unreguliert.

Aufstand oder Kapitulation

So beschreibt Andree eine Öffentlichkeit, die nicht mehr aus vielen miteinander verbundenen Räumen besteht, sondern aus wenigen zentralen Knoten, die Zugänge zur öffentlichen Kommunikation steuern. Darin liegt für ihn der eigentliche Kern des Problems. Es gehe nicht um einzelne problematische Posts oder Akteure, sondern um die Frage, wer die Infrastruktur der Sichtbarkeit kontrolliert – und damit um die Bedingungen, unter denen Öffentlichkeit überhaupt noch entsteht. »Die Tech-Giganten können einseitig durch ihre Nutzungsbedingungen die Regeln bestimmen; sie sind Gesetz, Richter, Revisionsinstanz und Henker in einer Person«, schreibt Andree und zieht Parallelen zwischen den Tech-Monopolisten und mittelalterlichen Feudalherren: »Im mittelalterlichen wie im digitalen Feudalismus haben die Menschen kaum realistische Möglichkeiten, den Monopolen vollständig zu entgehen.«

Und sein Ausblick? Den zeichnet Andree als Entscheidungssituation: Aufstand oder Kapitulation. Er beschreibt beide Szenarien detailliert und reflektiert die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens. Am Ende verdichtet ein Bild noch einmal die Dramatik seines Arguments: »Wenn dann – nach dem Krieg der Medien – die Apokalypse kommt, sind die Milliardäre bestens vorbereitet. Aber eines ist sicher: In ihren Bunkern ist kein Platz für uns.«

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