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Praxisorientierte Maschinen

Die Informatiker Gerhard Paaß und Dirk Hecker liefern eine anspruchsvolle Einführung in das hochaktive Forschungsgebiet.

»Künstliche Intelligenz (KI) ist das Schlagwort unserer Zeit.« Treffender hätten es die Autoren Gerhard Paaß und Dirk Hecker in der Einleitung zu ihrem Buch nicht formulieren können. Die Menge an erstaunlichen Nachrichten über die Leistungen von KI kann einen Beobachter sprachlos machen: KI gewinnt in der Spielshow »Jeopardy!«, sie erkennt Hautkrebs besser als erfahrene Ärzte, übersetzt Texte von einer beliebigen Sprache in eine andere, schreibt Aufsätze, die den Lesern plausibler erscheinen als jene von Menschen zum gleichen Thema, und schlägt die Großmeister von Schach und Go.

Enorme Themenvielfalt

Der Untertitel des Buchs »Was steckt hinter der Technologie der Zukunft?« scheint auf ein populärwissenschaftliches Werk hinzudeuten – aber weit gefehlt! Es handelt sich um eine durchaus anspruchsvolle Einführung in das große und hochaktive Gebiet. Auf fast 500 Seiten stellen die Autoren eine enorme Themenvielfalt vor, wobei der Schwerpunkt auf dem zurzeit wichtigsten Bereich des maschinellen Lernens mit tiefen neuronalen Netzen liegt.

Paaß und Hecker sind Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS), einem der führenden Wissenschaftsinstitute auf den Gebieten angewandte künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Big Data. Daher ist das Buch klar an der Praxis orientiert. An Mathematik wird dabei aber nicht gespart, die für ein wirkliches Verständnis unumgänglich ist. Das führt beispielsweise zu der hemdsärmeligen Definition des »Tensors« als mehrdimensionales Zahlenpaket oder die recht beiläufige Einführung der partiellen Ableitung.

Die Literaturangaben sind umfangreich, aber die Autoren scheuen sich nicht, auch mal Wikipedia zu zitieren. Das Buch ist reich bebildert, wobei nicht wenige Abbildungen inhaltsleere Sinnbilder sind, die aussehen, als kämen sie aus Werbebroschüren. Die Bebilderung folgt keinem einheitlichen Stil, wodurch der Text manchmal wie ein aufwändiges Vorlesungsskript wirkt. Eine schöne Idee sind hingegen die eingestreuten Kurzporträts der bedeutenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bereichs. Auch das fast 20-seitige Glossar ist sehr hilfreich.

Neben Fachleuten soll die Zielgruppe interessierte Laien mit einschließen. Das ist wohl etwas zu weit gefasst, denn man sollte bei der Lektüre Vorwissen in Mathematik oder Informatik mitbringen, sonst wird man von dem mehr als ein Kilogramm schweren Taschenbuch erschlagen. Doch für Studierende oder Personen mit Vorkenntnissen handelt es sich um eine sehr empfehlenswerte Literatur, die ein solides Selbststudium der Grundlagen und Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz ermöglicht.

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