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Gestaltetes Land

Ein sachliches Werk darüber, wie unsere Kulturlandschaft funktioniert.

Artenverlust und »Biosprit« im Tank; Überdüngung und Nitrat im Grundwasser; Pestizideinsatz und globale Warenströme: Die meisten Themen, die Ulrich Hampicke, emeritierter Professor der Universität Greifswald, in diesem Buch aufgreift, dürften den potenziell interessierten Leser(innen) vertraut sein. Nichtsdestoweniger behandelt der Autor diese und weitere Aspekte sehr tiefschürfend. Den im Untertitel adressierten »Städtern« dürfte die Lektüre substanzielle Einblicke in das Agrarsystem verschaffen, auf deren Basis sich aktuelle einschlägige Debatten besser einordnen lassen.

In zehn Kapiteln plus Einleitung und Anhang umreißt Hampicke die Geschichte der mitteleuropäischen Landschaften seit der Eiszeit, er beschreibt das Agrarsystem Deutschlands aus technischer wie gesellschaftlicher Perspektive und zeigt dessen gegenwärtige Probleme sowie Lösungsansätze auf. Der Autor betont, sein Buch sei nicht für Fachleute geschrieben und richte sich an die allgemeine Öffentlichkeit; das stimmt insofern, da Experten mit den angeführten Fakten vertraut sein dürften. Einfache Lektüre bietet das Werk allerdings definitiv nicht, dafür ist es zu dicht geschrieben und vollgepackt mit Daten zu Anbauflächen, Stoffflüssen, Energieberechnungen, Lebensraumklassifikationen und vielem mehr. Eher gewinnt man den Eindruck, ein Lehrbuch der Agrarwissenschaften in den Händen zu halten, dessen Lektüre zumindest auf einige Prüfungen des Grundstudiums gut vorbereitet.

Große Teile des Inhalts widmen sich dem Artenschwund und Problemen des Düngens. Die Erstellung des Werks, das mit rund 25 Euro sehr günstig erscheint, wurde durch eine Umweltstiftung gefördert – man könnte also eine gewisse »Pro-Öko-Tendenz« erwarten. Dem ist glücklicherweise nicht so; Hampicke liefert ein sachliches Buch, dessen einzelne Kapitel problemlos Grundlage von Vorlesungen sein könnten, gleich ob es um Lebensstilfragen wie Fleischkonsum versus Veganismus oder wirtschaftliche Aspekte wie traditioneller versus ökologischer Landbau geht. Der Autor widmet sich all diesen Dingen sehr nüchtern, ohne einer einseitigen Ideologie zu folgen. Er bleibt durchweg bei den Fakten und erlaubt es seinen Lesern, sich eine eigene Meinung bilden.

Insgesamt ist das Buch, das ein Glossar und Literaturverzeichnis abrunden, sehr lesenswert, wenngleich man es am besten mit Stift und Zettel für Notizen durchgeht. Wer etwa wissen möchte, wie sich die Feldkulturen in den vergangenen 80 Jahren verändert haben, was landwirtschaftliche Betriebe in den alten von jenen in den neuen Bundeländern unterscheidet oder wie es um die Energiebilanz Deutschlands bestellt ist – hier wird er fündig.

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