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Zwölf Monate unter der Kuppel

Was passiert, wenn sechs Personen ein Jahr lang, getrennt vom Rest der Welt, auf engstem Raum miteinander auskommen müssen? Genau das erwartet die Teilnehmer einer Expedition zum Mars – und es ist vermutlich nicht einfach auszuhalten. Wie lang sollte überhaupt eine Mission zum Roten Planeten dauern, um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen?

Das herauszufinden, war Ziel einer Marssimulation. Die NASA schickte sechs Wissenschaftler in eine "außerirdische Wohngemeinschaft", in einen Kuppelbau mit elf Meter Durchmesser ("Habitat") auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Loa. Dort hatten die Probanden spezielle Forschungsaufgaben zu erfüllen, die zu einer echten Marsmission passen könnten. Und natürlich diente das Ganze auch dazu, die Entwicklung des Gruppenklimas zu beobachten.

Kommunizieren mit angezogener Handbremse

Wenn die Teilnehmer das Habitat verlassen wollten, mussten sie Raumanzüge tragen. Zum Rest der Welt hatten sie nur per E-Mail Kontakt. 20 Minuten brauchte solch eine Nachricht, bis sie auf der jeweils anderen Seite ankam. Alle zwei bis drei Monate trafen Versorgungslieferungen ein, in der Zwischenzeit galt es, die Lebensmittel einzuteilen.

Christiane Heinicke, die einzige deutsche Teilnehmerin, erzählt in diesem Buch von der Mission, wobei sie pro Kapitel einen Monat abhandelt. Die Geophysikerin und promovierte Ingenieurin forschte während ihres Aufenthalts im Habitat vor allem über pyramidenförmige Treibhäuser für die Wassergewinnung. Deren Prinzip: Das im Boden enthaltene Wasser verdunstet, kondensiert an der Pyramidenwand und wird aufgefangen. Auch die anderen Teilnehmer haben experimentiert, zum Teil mit komplizierten Physikversuchsaufbauten. Leider verrät die Autorin kaum Details hierüber, lediglich auf die Pyramidentreibhäuser geht sie näher ein. Das sorgt zwar dafür, dass der Band sich locker liest, aber manchmal hätte man es dann doch gern etwas genauer gewusst.

Risikofaktor Psyche

Heinicke nimmt ihre Leser mit in das Habitat, präsentiert Bilder von den Räumlichkeiten und den anderen Teilnehmern. Sie beschreibt diese sehr intensiv – vermutlich nicht nur zu deren Begeisterung. Die Autorin berichtet detailliert über die Dynamik in der Gruppe: Schnell bildeten sich Zweiergrüppchen, von denen zwei sich später zu den vier "Unbezwingbaren" zusammenschlossen. Die Spannungen müssen erheblich gewesen sein, immerhin widmet Heinicke das Buch "den anderen drei Unbezwingbaren" und nicht etwa allen Mitbewohnern des Habitats. Aber solche psychologischen Prozesse zu erforschen, war ja das Ziel der Mission. Und vielleicht auch die Vorschriftentreue der Beteiligten: Manchmal taten sie Verbotenes, etwa Außeneinsätze zu gefährlichen Orten.

Das Buch bietet wenig Wissenschaft, dafür aber einen interessanten und locker zu lesenden Erlebnisbericht.

23/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 23/2017

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