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Wie lernen Kinder am besten Lesen und Schreiben?

Waren bei unseren Vorfahren noch Jagen, Fischen, Fallenstellen und Feuermachen besonders wichtig, hat in unserer Zeit die Fähigkeit des Lesens und Schreibens eine hohe Priorität. Wer Alltag, Schule und Beruf meistern will, ist auf die Schriftsprachkompetenz angewiesen. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es dazu gibt, erklärt Wolfgang Schneider in seinem Buch. Bis 2016 lehrte er an der Universität Würzburg Pädagogische Psychologie und leitet dort die Begabungspsychologische Beratungsstelle.

Zunächst schildert der Autor, wie sich die Kulturtechnik über Jahrtausende entwickelte. Dann geht er auf verschiedene Modelle ein, wie Kinder Schreiben und Lesen lernen können. Dafür sind laut Schneider bestimmte "Vorläuferfertigkeiten" wie das sprachliche Arbeitsgedächtnis wichtig. Intelligenz oder Konzentrationsfähigkeit hätten dagegen einen geringen Einfluss. Auf Seiten der Schule sei insbesondere die Lehrkraft und weniger die Unterrichtsmethode entscheidend. Trotzdem gelinge es dem Bildungssystem nicht, vor dem Schuleintritt bestehende Leistungsunterschiede auszugleichen. Lösungsansätze nennt Schneider nicht. Abschließend widmet er sich der Lese-Rechtschreib-Störung und effektiven Interventionen zur Verbesserung der Lesegeschwindigkeit und -genauigkeit.

So fundiert die Inhalte des Buchs sind, so fach­jargonlastig ist die Sprache – "schrittweise multiple Regressionen" oder Korrelationsangaben finden sich in jedem Kapitel und fordern beim Lesen einen wachen Verstand und methodische Vorkenntnisse. Laut Vorwort wendet sich das Buch an Fachkollegen, Studenten und Eltern, es ist jedoch fraglich, inwieweit die inhaltliche Aufbereitung ihnen allen gerecht wird. Zwischenfragen im Fließtext, Grafiken und Tabellen lockern das Ganze zumindest etwas auf. Auch das letzte Kapitel "Fazit" ist gelungen, das Fragen wie "Hat die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahrzehnte dazu geführt, dass unsere Kinder im Lesen und Rechtschreiben immer besser geworden sind?" kurz beantwortet. Trotz mancher Schwäche liefert das Buch also einen guten Überblick über die Forschung zum Schriftspracherwerb.

Hinweis der Redaktion: Spektrum der Wissenschaft und Springer Science+Business Media gehören beide zur Verlagsgruppe Springer Nature. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Rezensionen. Spektrum der Wissenschaft rezensiert Titel aus dem Springer-Verlag mit demselben Anspruch und nach denselben Kriterien wie Titel aus anderen Verlagen.

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