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Mit Optimismus in die Zukunft

Kapitalismus und technologischer Fortschritt führen zu ressourcensparender und wachsender Produktion – was laut dem Ökonomen McAfee zu größerem Wohlstand für viele Menschen führt.

Irgendwie erschien das Buch zur falschen Zeit: 2020 in den USA. Der Ökonom Andrew McAfee vom MIT interpretiert die ökonomisch-technologische Entwicklung der letzten 50 Jahre als eine Erfolgsgeschichte und nicht als einen Weg in den Weltuntergang. Außerdem liefert er einen optimistischen Ausblick in die Zukunft von Kapitalismus, technologischer Gesellschaft und Umwelt. Doch gerade das Geschehen rings um Corona stellt diese Auffassung in jeder Hinsicht in Frage. Wird sich der Kapitalismus von den Schäden nachhaltig erholen können? Setzt sich die technologische Entwicklung fort?

Scheitert das kapitalistische Modell?

Seit 1972 die gemeinnützige Organisation Club of Rome ihren Bericht über »Die Grenzen des Wachstums« veröffentlicht hat, verschärfen sich die Warnungen, der Verbrauch an natürlichen Ressourcen werde immer weiter anwachsen, bis sie sich in absehbarer Zeit erschöpfen. Verbunden mit wachsender Bevölkerung muss das kapitalistische Modell scheitern, das immer größeren Wohlstand für die Menschheit versprach.

Doch diese Befürchtungen, so McAfee, haben sich offenbar nicht erfüllt. Bis 2019 leben mehr Menschen in größer werdendem Reichtum, und die Ressourcen scheinen noch lange nicht erschöpft zu sein. Die Umweltbedingungen hätten sich seither massiv verbessert. Der Kapitalismus blühe, die technologische Entwicklung erst recht.

Das Erstaunlichste dabei – das ist die zentrale These McAfees: Der Ressourcen-Verbrauch ging meist sogar zurück, obwohl das weltweite Wirtschaftswachstum massiv zunahm. Aus dieser Perspektive scheint kein Ende des Kapitalismus in Sicht. Wie ist das möglich? Kapitalismus und technologischer Fortschritt sorgten für Ressourcen sparende Produktion. Denn Unternehmen wirtschaften gewinnorientiert, und weniger Ressourcenverbrauch erbringt höhere Gewinne. Ermöglicht hat das die technologische Entwicklung. So gelingt es heute, »mehr aus weniger« zu produzieren, was Ressourcen sowie die Umwelt schont.

Natürlich hat nicht nur der Kapitalismus diese Entwicklung zu Stande gebracht, auch eine informierte Öffentlichkeit übte Druck auf die Politik aus, welche darauf reagierte. Das ist gelungen, meist marktwirtschaftlich, ohne direkte staatliche Lenkung – man denke an den Handel mit Emissionsrechten.

McAfee hält die Klimaerwärmung für eine große Bedrohung, der man aber mit diversen, vor allem auch technologischen Methoden begegnen kann. Da regenerierbare Energiequellen dazu allein nicht ausreichen, plädiert der Autor für Atomenergie, die er für beherrschbar hält. So spricht er sich auch in der Landwirtschaft für den Einsatz von Gentechnik und Glyphosat aus, hält konventionelle Großbetriebe sowohl für effizienter als auch umweltschonender, da sie mit weniger Bodenbenutzung mehr produzieren. In den USA konnten dadurch große Flächen wieder renaturiert werden. Engagiert tritt er für Artenschutz ein, den die Staaten gewährleisten müssen.

McAfee ist keineswegs neoliberal, sondern ein technologischer Optimist. Das Erfrischende an seinem Buch sind die fehlenden Weltuntergangsgesänge. Unerfreulich ist der so pädagogische wie bekenntnishafte Ton: Ständig glaubt, lobt und empfiehlt er etwas.

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