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Megastädte sind nichts Neues

Könnten wir uns in das Jahr 3000 v. Chr. zurückversetzen und die altorientalische Stadt Uruk besuchen, wir wären beeindruckt von ihr. Die Einwohnerzahl zu dieser Zeit wird auf 30 000 bis 50 000 geschätzt. Im Zentrum der Stadt befanden sich beeindruckende Tempelanlagen, und ausgefeilte Bewässerungssysteme leiteten das Wasser des Euphrat in zahlreiche Kanäle. Eine effektive Verwaltung organisierte das Stadtleben; sie hatte für ihre Zwecke eine spezielle Schrift entwickelt.

Erwähnt wird Uruk unter anderem im 2. Jahrtausend v. Chr. im Gilgamesch-Epos. Die Siedlung gilt nicht nur als Kern des bedeutendsten Stadtstaats Sumers, sondern als eine der ältesten Städte überhaupt. Von ihrer einstigen Größe und Macht zeugt heute die Ruinenstätte Warka im Südirak.

Große städtische Siedlungen waren ein Bestandteil der meisten historischen Kulturen. Doch was brachte die Menschen dazu, auf engem Raum zusammenzuleben, und worauf gründeten sich Macht und Reichtum vieler dieser Orte? Wie gelang es, das tägliche Miteinander zu organisieren, die zahlreichen dabei auftretenden Probleme zu bewältigen, das gemeinsame Überleben sicherzustellen?

Globale Perspektive

Im vorliegenden Sammelband skizzieren Historiker und Archäologen anhand von 40 Beispielen die Geschichte früher urbaner Siedlungen. Dabei beziehen sie nicht nur die alten Hochkulturen des Nahen Ostens ein, sondern auch Europa zur Zeit der klassischen Antike, ebenso Afrika, Asien und Amerika. So gelingt ihnen eine überregionale, umfassende Darstellung des Stoffs.

Aus den Beiträgen geht hervor, welche Schlüsselfaktoren über die Gründung und Entwicklung früher Städte bestimmten. Zu ihnen gehörten das Klima, die Nähe zu Wasserquellen beziehungsweise das Vorkommen ergiebiger Regenfälle, sowie eine wirtschaftlich und/oder militärisch günstige Lage. Für Städte wie Uruk, Babylon, Ninive, Memphis, Theben, Mohenjo-Daro (im heutigen Pakistan) und Meroe (im heutigen Sudan) waren Flüsse von entscheidender Bedeutung: Euphrat, Tigris, Nil oder Indus. Diese dienten sowohl als Wasserquelle als auch als Handels- und Kommunikationsweg. Urbane Siedlungen der antiken Kulturen wiederum entstanden um das Mittelmeer herum, an dessen Küsten sich eine intensive Handels- und Militärschifffahrt entwickelte.

Der Nabatäerstadt Petra, die im südlichen Jordanien liegt, gereichte ihre strategisch günstige Lage zum Vorteil: Der Zugang war nur durch eine enge Schlucht möglich. Das in der syrischen Wüste gelegene Palmyra wiederum kam als Oase und Raststation durchziehender Karawanen zu großem Reichtum. Neben all den genannten Städten befassen sich die Autoren auch mit den klassischen Metropolen Rom, Athen und Karthago, desgleichen mit dem nordafrikanischen Leptis Magna, der äthiopischen Handelsstadt Aksum, der chinesischen Reichshauptstadt Xianyang, der Maya-Siedlung Tikal sowie dem mesoamerikanischen Teotihuacan.

Lichter der Großstadt

Der Begriff "Metropolen" im Buchtitel signalisiert eine Abgrenzung gegenüber kleineren Siedlungen oder Dörfern. Zur Unterscheidung ziehen die Autoren verschiedene Kriterien heran: die Bedeutung einzelner Städte für eine bestimmte Kultur; die Größe des von der Stadt beherrschten Gebiets; die Pracht und den Reichtum, den die jeweilige Siedlung präsentierte; die Bautechnik, Architektur und Kunst. Obgleich sich das Leben in den antiken Kulturen sehr von unserem unterschied, müssen die genannten Städte den damaligen Menschen ebenso als "Megacities" erschienen sein wie uns heute beispielsweise New York. So tritt im Gilgamesch-Epos das Erstaunen ob der schieren Größe Uruks deutlich zutage.

Zwar bleibt "Metropolen der Alten Welt" weit gehend an der Oberfläche. Denn die oft nur wenige Seiten langen Beiträge können die jahrhundertealte Vergangenheit der betrachteten Städte lediglich anreißen. Dennoch unternimmt das Buch einen reizvollen Streifzug durch die frühe Geschichte des Urbanen. Er bringt historisch und archäologisch interessierten Lesern sowohl die Städte selbst näher als auch die Lebensweise und Kultur ihrer Bewohner.

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