Direkt zum Inhalt

Midlife-Crisis, philosophisch veredelt

Der Philosoph Kieran Setiya hat mit den Verstimmungen gekämpft, die sich in der Lebensmitte häufig einstellen – und gibt Tipps, um diese schwierige Phase zu meistern.

Bislang sei es in seinem Leben stetig bergauf gegangen, vor sich habe er nur den fernen Horizont gesehen. Jetzt aber sei er auf dem Gipfel angekommen, vor ihm liege ein steiler Weg hinab, an dessen Ende der Tod warte. So zitiert Kieran Setiya jenen Patienten, der 1965 als Erster die Diagnose Midlife-Crisis bekam.

Auch der Buchautor blieb von der Sinnkrise nicht verschont. Den Philosophieprofessor am Massachusetts Institute of Technology traf sie vor acht Jahren im Alter von 35 – trotz privaten Glücks und akademischer Karriere. Das Schreiben dieses Buchs diente ihm als Selbstbehandlung.

Neben autobiografischen Details und wissenschaftlichen Befunden stellt Setiya einige Werke vor, die den kritischen Lebensabschnitt aufgegriffen haben, etwa das Filmdrama »American Beauty«. Den Hauptteil machen philosophische Überlegungen zur Vergänglichkeit aus oder zur Angst, etwas verpasst zu haben. Dank der Verweise auf Philosophen und Literaten wie Epikur, Schopenhauer, Simone de Beauvoir oder Virginia Woolf, die ganz unterschiedliche Antworten auf grundlegende Lebensfragen gegeben haben, fühlt man sich beim Lesen gut unterstützt. Der Autor vermittelt deren Gedanken nicht nur leicht verständlich, sondern betrachtet sie auch aus verschiedenen Perspektiven und lässt dabei Raum für eigenes Denken. Es stellt sich heraus, dass die verschiedenen Ansichten anderer unbemerkt vom eigenen Hadern mit der Lebensmitte ablenken. Genau das gehört zu den Ratschlägen des Autors: sich mit Tätigkeiten zu beschäftigen, die nicht darauf aus sind, Ziele zu erreichen. Es helfe schon, ein Buch zu lesen oder mit Freunden Karten zu spielen, um gut zu leben.

Das Schlusskapitel, das leider an einen Ratgeber im Schnelldurchgang erinnert, fasst alle Informationen und Tipps kurz und knapp zusammen. Wer sich nicht scheut, über grundlegende Fragen oder den Sinn des Lebens nachzudenken, findet hier ein unterhaltsames, verständliches und witzig geschriebenes Buch vor – auch wenn sie oder er sich nicht akut in einer Lebenskrise befindet.

Kennen Sie schon …

2/2019 (März/April)

Spektrum Psychologie – 2/2019 (März/April)

Damit Kinder psychisch stark werden, brauchen sie die Zuwendung verlässlicher Bezugspersonen. Resilienzforscher berichten über die Spuren emotionaler Entbehrungen und traumatischer Erfahrungen sowie die Bedeutung eines festen Ankers für die Grundfesten der menschlichen Psyche.

Kommunikation - Zwischen Konversation und Konflikt

Spektrum Kompakt – Kommunikation - Zwischen Konversation und Konflikt

Reden, streiten, sich versöhnen - Worte, die Menschen miteinander wechseln, beeinflussen nicht nur die Beziehung der Interagierenden, sondern auch deren Psyche und Taten.

Krieg und Frieden

Spektrum Kompakt – Krieg und Frieden

Kriege beherrschen immer wieder die Nachrichten. Forscher suchen nach Ursachen und Mitteln, die Konflikte zu beenden - und wie man den Betroffenen helfen kann, mit den zerstörerischen Erfahrungen umzugehen.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos