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Macht Corona die Welt gerechter?

In seinem Buch zeigt der Ökonom Thomas Piketty Ideen für eine neue Gesellschaftsstruktur auf.

Die Corona-Pandemie verdeutlicht mehr als je zuvor die Ungleichheiten in der Gesellschaft: Pflegeberufe sind schlecht bezahlt, Frauen erleiden mehr Gewalt als zuvor, Politiker profitieren von Maskendeals, während Kinder aus einkommensschwachen Familien durch mangelnde technische Ausstattung beim Homeschooling abgehängt werden. Kann eine Post-Pandemiezeit mit diesem Wissen gerechter werden, also weniger ungleich in der Einkommens-, Vermögens- und Wohlstandsverteilung in der Welt?

Dieser Frage geht Thomas Piketty in seinem Buch nach. Es besteht aus einem Interview, das der Politikwissenschaftler Christian Krell mit ihm führt. Darin erläutert Piketty, Ökonom und Professor an der Pariser Elitehochschule École des Hautes Études en Sciences Sociales, seine Ideen vom »partizipativen Sozialismus«. Auf wenigen Seiten reißt er viele seiner Theorien kurz an, inwiefern die Covid-19-Pandemie langfristig zu einer solidarischeren Gesellschaft führen könnte.

Doch die Pandemie allein werde die Welt nicht verändern, meint er. Auch die Pest habe damals keinen grundlegenden Wandel ausgelöst. Rein ökonomische Faktoren wie Überfluss an Land und Knappheit an Arbeitskräften reichten nicht, um Güter und Vermögen anders – gerechter – zu verteilen. Das sei nur durch politische Lobbyarbeit möglich, wie er bereits in seinen vorherigen Büchern über das Kapital im 21. Jahrhundert und zur Ökonomie der Ungleichheit auf je fast 1000 Seiten ausgeführt hat. Piketty schlägt verschiedene Maßnahmen für weniger Ungleichheit vor, etwa eine gemeinsame Steuer in Europa, ein Vorgehen gegen Kapitalverschiebungen ins Ausland sowie ein »Erbe für alle«, das jeder EU-Bürger als Startkapital an seinem 25. Geburtstag erhalten solle.

Wie wird eine Post-Corona-Gesellschaft aussehen?

Piketty hat Hoffnung. Wenn Corona vorbei ist, würden wir die Arbeit in Krankenhäusern, Pflegeheimen und im öffentlichen Gemeinwesen mehr wertschätzen. Das ist optimistisch. Genauso könnte man vermuten, dass sich die Pflegenden weiterhin mit ein bisschen Applaus begnügen müssen. Ob er richtigliegt oder nicht: Das dünne Buch – voll mit Ideen – macht Lust, mehr über eine andere mögliche Post-Corona-Gesellschaft zu lesen. Es ist gut verständlich geschrieben und auch zum Reinschnuppern für jene geeignet, die vor Themen wie Erbrecht, Steuern oder Mitbestimmung sonst eher zurückschrecken.

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