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Tausend Jahre Kontinuität

"Die Reiche dieser Welt sind ständigen Wandlungen unterworfen", stellte im 4. Jahrhundert der Kirchenvater Augustinus (354-430) fest. Dass sie auch vergänglich und schwerer zu bewahren als zu erobern sind, lehrt die Geschichte. Selbst die Römer, die einen beispiellosen Aufstieg zur Weltmacht vollzogen und diesen als Erfüllung eines göttlichen Plans verstanden, konnten nur ein vorübergehendes Reich errichten. Allerdings gehörte das Imperium Romanum zu den langlebigsten Staatswesen der Weltgeschichte. Warum das so ist, und wieso das Imperium noch heute fasziniert, erklärt der Historiker Greg Woolf im vorliegenden Buch.

Mit erzählerischem Können und analytischer Schärfe schildert Woolf, der an der Universität St. Andrews in Schottland lehrt, den Aufstieg Roms von den ersten Anfängen in der Republik bis in die Spätantike. Anschaulich beschreibt er die dynamische Expansion der Republik und die anschließende Konsolidierung des eroberten Reichs in der römischen Kaiserzeit ("Prinzipat").

Erfolgreiche Hegemonie

Laut dem Autor war das Imperium keineswegs ein "Gefängnis der Völker", weil die Römer es verstanden, die unterworfene Welt zivilisatorisch und politisch zu einigen. Deshalb fügten sich selbst Ethnien, die der römischen Okkupation anfangs erbittert Widerstand leisteten, bereitwillig in die res publica Romana ein. Mehr als in militärischer Schlagkraft lag Roms Stärke darin, seine diversen Einwohner zu integrieren und sie an den Vorteilen des politischen und gesellschaftlichen Systems teilhaben zu lassen. Diese "Offenheit nach unten" förderte die Bereitschaft eingegliederter Fremder, ihre alten Gewohnheiten über Bord zu werfen, um in die Nähe der Macht zu kommen und an den Annehmlichkeiten römischen Lebens teilzuhaben.

Die Romanisierung der Fremden vollzog sich auf verschiedenen Ebenen, wie der Autor zeigt. So dienten die Nachkommen einstiger Gegner im römischen Heer. Auch sorgte die allmähliche Ausweitung des römischen Bürgerrechts für eine einheitliche, provinzenübergreifende Identität der Einwohner. Kommunen in den Provinzen wurden als selbstverwaltende Städte privilegiert und die Eliten der angegliederten Völker in die Reichsaristokratie eingebunden. Das mündete schließlich in den Aufstieg von Hispaniern, Galliern, Afrikanern und Syrern auf den Kaiserthron.

Riesiges Reich, schlanke Verwaltung

Woolf zeigt, wie die Römer ihre Herrschaft organisierten und kulturell begründeten. Er erörtert, welche Rolle Bürokratie, Institutionen und Eliten spielten, und unterstreicht dabei den verblüffenden Umstand, dass das 5 Millionen Quadratkilometer große Imperium mit seinen 80 Millionen Einwohnern nur von rund 10.000 Staatsbeamten verwaltet wurde. Eine Administration, die sich gemessen an den heutigen Verhältnissen in der EU geradezu bescheiden ausnimmt.

Das anregende Werk bietet eine Vielzahl neuer Erkenntnisse. Es besticht durch stringente Darstellung und souveränes Durchdringen des Stoffs und hilft zu verstehen, wie ein Staatswesen unterschiedlichste Ethnien, Herrschaftsformen und Religionen integrieren kann, ohne daran zu zerbrechen. Zum Erfolg des Imperium Romanum, so die Botschaft des Autors, trug vor allem sein geistiges Fundament bei, die griechisch-römische Kultur. Das sollten heute insbesondere jene Europapolitiker bedenken, die meinen, Ökonomie sei für das Zusammenwachsen Europas wichtiger als die Besinnung auf kulturelle Identität.

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