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Rätselhafte Zeichen

Runen sind geheimnisumwittert. Ein Experte erklärt, warum sie sich auf unterschiedlichste Weise auslegen lassen.

Runen: Kaum ein anderes Schriftsystem der Welt hat eine so aufgeladene und diffizile Geschichte. Das liegt einerseits an der komplexen Historie dieser Zeichen in der Vor- und Frühgeschichte, andererseits an ihrer neuzeitlichen Interpretation und ihrem politisch-ideologischen Missbrauch im 20. Jahrhundert.

Arnulf Krause, Honorarprofessor für Ältere Germanistik und Skandinavische Sprache und Literatur, versucht in diesem Buch die enorme Vielschichtigkeit der Runenzeichen und -forschung zu vermitteln. Dazu bedient er sich diverser Quellen: archäologischer Funde, nordischer Mythen, steinerner Monumente beziehungsweise der historischen Aufzeichnungen darüber. Krause betrachtet aber auch die Rolle, die Runen in der Literatur spielten, etwa bei Jules Verne oder J.R.R. Tolkien. Insgesamt nähert sich der Autor dem Thema von einer sprachwissenschaftlichen Seite, ohne jedoch Archäologie und Geschichtswissenschaften zu vernachlässigen.

Unklare Bedeutung

Als Leser wird einem schnell die ungeheure Komplexität des Themas bewusst. Runen erfüllten in der Vergangenheit unterschiedlichste Funktionen. Es änderten sich die Sprachen, in denen man schrieb, die Leserichtung und Orientierung der Zeichen und auch der Zweck, zu dem man sie ritzte. Die Bedeutung der Runen unterlag deshalb stetigem Wandel. Mal ritzten ihre Schreiber einen Buchstaben oder Lautwert, dann ein magisches Symbol, mal ein mystisches Fluch- oder Schutzwort, dann wieder einen Text mit historischem Bezug. Deshalb sind sich Runologen selbst bei kurzen Passagen oft nicht einig, wie diese zu lesen und zu interpretieren sind. Diese Vieldeutigkeit löst der Autor jedoch nur bedingt auf.

Da Krause dazu neigt, in Raum, Zeit und Objekt zu springen, erschließen sich seine Texte oft erst nach mehrmaligem Lesen von Absätzen und Kapiteln. Seine – literarisch durchaus gekonnten – Bezüge zu vorherigen beziehungsweise späteren Kapiteln machen häufiges Blättern und Besinnen nötig. Daher eignet sich das Buch nur bedingt für fachliche Einsteiger. Zudem wünscht man sich als Leser eine üppigere Bebilderung. Während Krause die historische Verwendung der Runen und die Geschichte ihrer Erforschung recht umfangreich behandelt, widmet er ihrer Rolle im 19. und 20. Jahrhundert nur 17 Seiten. Leser, die sich vor allem für diese neueren Aspekte interessieren, sollten deshalb nach anderen Titeln Ausschau halten.

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