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»Sarabellas fabelhafter Hut«: Alles auf einen Hut bringen

Eine wundervoll illustrierte Geschichte über das kleine Mädchen Sarabella und seine bunte Gedankenwelt. Judy Schachners Freude an Fantasie, Offenheit und Mut steckt an.

»Über die Kunst des Tagträumens und kreativen Denkens« – so lautet der Untertitel dieses Kinderbuchs der Illustratorin und Autorin Judy Schachner, das von Antje Riley ins Deutsche übersetzt wurde. Dabei handelt dieses Buch nicht nur von der genannten Kunst, es verkörpert sie von der ersten bis zur letzten Seite.

Unter anderem »Philosophie« und »Staune!« steht auf einer Wiese im allerersten großen Bild der Geschichte. Man sieht diese Textelemente aber erst auf den zweiten Blick – zum einen, weil sich ihre grüne Schrift nur leicht vom Grün des gemalten Grases abhebt; zum anderen, da man hier zuerst auf Sarabella schaut, die auf einem kleinen Felsen sitzt und in die Luft blickt. Man erfährt über sie, dass sie kaum Zeit für Gespräche hat, weil sie ständig über etwas nachdenken muss. »Aber was denkt sie wohl?«, fragt man sich.

Ein bewegter Geist

Auf den kommenden Seiten wird dieses Rätsel gelüftet – und man staunt und philosophiert mit ihr. Da wartet ein riesiger Elefant, der sich über zwei Buchseiten erstreckt und ein ganzes Universum in sich trägt. Neben ihm sitzt Sarabellas Katze, auf seinem Rücken liegt Sarabella selbst und schläft, und unter seinem Rüssel befindet sich eine kleine Schnecke, in deren Gehäuse man ebenfalls ganze Sonnensysteme erahnen kann. Lange könnte man verweilen bei dieser Begegnung zwischen Sarabella, den drei Tieren und den vielen Farben und Sternen.

Vielleicht so lange, wie Sarabella gern auf dem großen Elefanten schlafen und somit in ihrer Gedankenwelt verweilen würde, doch sie muss auch in die Schule. Dort erkennt ihr Lehrer, Herr Fantozzi, Sarabellas Träumen zwar als eine wunderbare Art zu denken an, fordert sie aber auch zu mehr Konzentration im Unterricht auf und gibt ihr Briefe mit Botschaften für ihre Eltern mit. Judy Schachner zeichnet diesen Lehrer gekonnt als komplexen Charakter und nicht nur als eine mahnende Autoritätsperson.

Sarabella leidet manchmal selbst darunter, so schnell von Gerüchen, Worten und Geräuschen abgelenkt zu werden. Judy Schachner lässt einen das etwa in der feinfühligen Darstellung von Sarabellas ratlosem Blick miterleben, wenn sie ihre große Schwester fragt, wie sie sich in der Schule besser konzentrieren könne. Diese rät ihr, tief durchzuatmen und die Augen zusammenzukneifen – doch davon wird dem kleinen Mädchen bloß schwindelig. Einmal verzweifelt Sarabella an ihren Matheaufgaben und steht schließlich mit großen Augen vor einem gesprächigen Eisbären, der gut mit Zahlen umgehen kann.

Herr Fantozzi und ein Wal helfen

Auch wenn man beim ersten Lesen der Geschichte vielleicht eine psychische Störung wie ADHS assoziieren mag: In den Zeichnungen und Beschreibungen aus Sarabellas Leben findet sich nichts, das »stört«. Wie ein Blumengarten wuchern ihre Gedanken und Gefühle über die Seiten und stehen einander dabei nie im Weg. So baut die Autorin letztlich auch eine Brücke zwischen diesen bunten inneren Welten und der Schule, in der diese zunächst keinen Raum zu haben scheinen. Dann aber gibt Herr Fantozzi den Kindern auf, zuhause ein Bild ihrer Tagträume zu malen. Nach einem weiteren Gespräch mit einem großen Tier, diesmal einem Wal, hat Sarabella eine Idee. Der Wal rät dem Mädchen nämlich, seine Gedanken zu tragen; und so kreiert es einen riesigen Hut, auf dem ganz viele gezeichnete und gebastelte Träume Platz haben.

In der Schule präsentiert Sarabella den Hut vielen staunenden Augen, und am nächsten Tag hat Bob einen ähnlichen Kopfschmuck dabei. Die beiden Kinder, die sich mit ihren fabelhaften Hüten gegenüberstehen, sind das letzte visuelle Genusserlebnis dieses zauberhaften Buchs. Es ist ein Plädoyer für die bunten Welten in unseren Köpfen und für den Mut, sie einander zu zeigen. Es regt zum Träumen an – von Elefanten voller Sterne oder Eisbären voller Zahlen. Und es lässt auf eine Welt und auch auf ein Schulsystem hoffen, in denen das Fantasieren nicht als Störfaktor, sondern als Bereicherung wahrgenommen wird; und in denen Kinder wie Sarabella nicht ständig an sich zweifeln müssen, sondern aufblühen und sich entfalten können.

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