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Ersatzparadiese schaffen

Die Kulturlandschaft ist ökologisch ausgeräumt, doch Gartenbesitzer können etwas dagegen tun, indem sie ihre Grünanlagen naturnah und insektenfreundlich gestalten.

Viele reden derzeit über das Insektensterben – zu Recht. Der seit Jahrzehnten anhaltende Rückgang an Sechsbeinern betrifft nicht mehr nur seltene und spezialisierte Arten, sondern mittlerweile auch die häufigen und verbreiteten. Sowohl Insektenbiomasse als auch -vielfalt haben dramatisch abgenommen. Als Hauptursachen gelten die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene Einsatz von Herbiziden und Insektiziden, aber auch die Zerstückelung und Zerstörung von Lebensräumen und die Lichtverschmutzung. Das Buch des renommierten Sachbuchautors und Biologen Bruno P. Kremer widmet sich dieser alarmierenden Entwicklung.

Weil die Gesamtfläche aller mitteleuropäischen Gärten eine relevante Größe darstellt – sie ist etwa dreimal größer als die Summe aller unter Naturschutz stehenden Gebiete –, können naturnah gestaltete Gärten den Verlust an insektenfreundlichem Lebensraum zu einem gewissen Grad kompensieren. Jede(r) Gartenbesitzer(in) kann mit sinnvoller Pflanzenauswahl und strukturreicher Gestaltung der Grünanlage unmittelbar zum Artenerhalt beitragen.

Der farbenprächtige Band hat drei Teile. Im ersten gelingt es dem Autor, knapp und anschaulich das Problem des Artenrückgangs darzustellen, den Lebenszyklus der Schmetterlinge zu vermitteln und die Blütenbiologie in wesentlichen Aspekten zu umreißen. In bewährter Manier scheut er sich nicht, auf einige Details näher einzugehen. So gibt es auch für bewanderte Naturliebhaber immer noch Neues zu entdecken.

Raupennahrung nicht vergessen

Unverzichtbar sind Kremers Erläuterungen zur Schmetterlingsmetamorphose. Diese darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, will man die Insekten wirklich unterstützen. Denn nur den Faltern nektarreiche Blütenpflanzen anzubieten, reicht nicht aus – genauso wichtig ist das richtige Angebot an Raupennahrung. In dem Zusammenhang würdigt der Autor die Frankfurterin Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647-1717), die erst mit ihren künstlerisch wertvollen Prachtwerken in den Jahren 1679 und 1683 den Sachverhalt der Metamorphose allgemein bekannt gemacht und der modernen Insektenkunde den Weg bereitet hat.

Weiterhin unterscheidet Kremer Nektarien- und Blütentypen, stellt Inhaltstoffe des Nektars vor und knüpft den Bezug zur Tierbestäubung durch leckende und/oder saugende Arten. Dass es sogar nichtsaugende Falter gibt, nämlich die Urmotte mit beißfähigen Mandibeln, die beispielsweise auf der Sumpfdotterblume nach Nahrung sucht, erfahren die Leser nebenher auch noch. Wunderbar sind die detaillierten Erläuterungen zur Funktionsweise des Saugrüssels mitsamt Großaufnahme eines Schmetterlingskopfs.

Den thematischen Übergang zur naturnahen Gestaltung des Gartens schafft Kremer, indem er mögliche Lebensräume in Grünanlagen beschreibt. Als da unter anderem sind: Bäume, Hecken und Gebüsche, sonnige Hochstaudenbeete, Schattenecken, Trockenmauern, Blumenwiesen und Blumenrasen oder grüne Dächer. Mittels einer Skizze schlägt der Autor vor, wie man den Garten arrangieren kann. Er hat jedoch nicht den Anspruch, dies erschöpfend abzuhandeln.

Beliebte Küchenkräuter

Im Mittelteil des Bands schließen sich Porträts von 40 Schmetterlingsarten an. Kremer beschreibt jede Art auf ein bis zwei Seiten hinsichtlich ihres Aussehens, Vorkommens und ihrer Besonderheiten. Hochwertige und aufschlussreiche Fotos aus zumeist allen Lebensstadien begleiten die Texte. Stichwortähnliche Informationen zu Spannweiten und Flugzeiten von Faltern, zum Raupenstadium und zur Überwinterungsform ergänzen das Ganze. Artspezifische Fördermöglichkeiten bietet der Autor in Textkästen dar.

Das Buch endet mit Steckbriefen von 80 Pflanzenarten, die nach Meinung des Autors geeignete Futterpflanzen für Falter und ihre Raupen darstellen. Der Fokus liegt auf heimischen Wildkräutern, aber natürlich dürfen die bei Mensch und Insekt gleichermaßen beliebten mediterranen Küchenkräuter nicht fehlen. Weil ihr Nektarwert hoch ist, empfiehlt der Autor diverse Gartenpflanzen wie Neubelgische Aster, Bienenkugeldistel, Saat-Luzerne und Weiße Schneebeere. Allerdings auch Arten wie Gewöhnliche Zaunwinde, Acker-Kratzdistel, Wilde Karde und Vogel-Wicke, die man sich auf Grund ihres starken Ausbreitungspotenzials vielleicht nicht unbedingt aktiv in den Garten holen muss. Aber in größeren Grünanlagen kann man tatsächlich die eine oder andere Ecke verbrachen lassen und auch diesen Spezies Raum gewähren.

Eine lockere Seitengestaltung mit aussagekräftigen Bildern jeweils von Habitus und Blüte machen diese Pflanzenbeschreibungen sehr gut lesbar. Kurze artspezifische Informationen, unter anderem zu den ökologischen Bedürfnissen der Gewächse, ihrer Kultivierung und ihrem Ausbreitungspotenzial, runden die Steckbriefe ab.

Zwei Kalender auf den Innenseiten des Einbands zeigen die Blühzeiten und -farben der aufgeführten Pflanzenarten sowie die Flugzeiten der vorgestellten Falter. Damit ausgestattet, können die Leser nach der Lektüre ihre Pflanzenauswahl so vornehmen, dass nicht nur sie selbst sich das ganze Jahr hindurch an einem farbenprächtigen Garten erfreuen, sondern auch Schmetterlinge und viele andere Insekten dort Nahrung und Lebensraum finden.

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