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»Siebensachen für die Seele«: Auf welche seelischen Bedürfnisse kommt es an?

Ob Sicherheit, Verbundenheit, Orientierung oder Selbstmitgefühl – der Psychotherapeut Christian Firus beschreibt sieben Grundbedürfnisse unserer Seele

Sich mit sich selbst und seiner Umwelt im Reinen zu fühlen, ist nicht immer leicht. Mit wechselnden Lebenssituationen muss immer wieder aufs Neue ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Anforderungen und Bedürfnissen gefunden werden. Wenn es uns nicht gut geht, ist uns oft nicht einmal bewusst, woran das liegt, welches Bedürfnis vielleicht gerade zu kurz kommt. Hier setzt Christian Firus an – der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie stellt auf 150 Seiten kompakt sieben Grundbedürfnisse der Seele vor: Sicherheit, Bindung, Selbstwert, Orientierung, Lieben, Sinnorientierung und Authentizität.

Jedes Kapitel widmet sich einem dieser Grundbedürfnisse. Firus erklärt das jeweilige Bedürfnis, bezieht sich auf wissenschaftliche Quellen, zitiert bekannte Persönlichkeiten wie Michelle Obama oder den kanadischen Arzt und Bestsellerautor Gabor Maté und bringt Fallbeispiele aus seiner Arbeit als Psychotherapeut an der Rehaklinik Glotterbad bei Freiburg. Außerdem stellt er Fragen zur Reflexion des eigenen Lebens oder präsentiert kurze Übungen. So gibt es zum Beispiel im Kapitel »Bindung und Verbundenheit« die Imaginationsübung »ideale Eltern«, die man sich selbst vorlesen oder auf der Website des Autors anhören kann.

Die fragile Balance der Bedürfnisse

Generell nutzt Firus eine klare und leicht verständliche Sprache. Er beschreibt die Bedürfnisse mit viel Empathie, und gerade die Fallbeispiele zeigen eindrücklich, wie Menschen aus dem Gleichgewicht geraten und psychische Erkrankungen entwickeln können. Zudem vermittelt der Mediziner, was es heißt, wenn Menschen nie wirklich lernen konnten, ihre Bedürfnisse auszubalancieren. So beschreibt er im Kapitel »Authentizität« den Fall einer Patientin, die nach dem frühen Tod ihres Vaters Verantwortung für ihre kleine Schwester und die überforderte Mutter übernommen hat und so nie den Raum hatte, ihre eigenen Bedürfnisse kennenzulernen.

Immer wieder betont der Autor, wie wichtig Erfahrungen in der Kindheit sind, und spricht sich etwa für Kurse aus, in denen Eltern darin geschult werden, nicht nur die körperlichen, sondern auch die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen. Firus geht in seinen Ausführungen über die Individualpsychologie hinaus und beschreibt, wie unerfüllte emotionale Bedürfnisse die Gesellschaft und das Weltgeschehen insgesamt beeinflussen können – etwa in Gestalt narzisstischer Machthaber. Und er geht der Frage nach, wie unterdrückte emotionale Bedürfnisse zu Entzündungsreaktionen im Körper führen und langfristig zu schweren Erkrankungen beitragen können.

Alles in allem gibt Firus in seinem Buch einen guten und vor allem kompakten Überblick über die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse. Er erklärt dabei zentrale psychologische Zusammenhänge und hilft dem Leser so dabei, sein Leben jenseits der üblichen Ratschläge wie »Mach mehr Sport« oder »Probier’s doch mal mit Entspannungsübungen« nachhaltig zu verändern.

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