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Zimmermänner des Waldes

Spechte gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Vögeln unserer heimischen Wälder. Dieses Buch liefert Einblicke in ihre besondere Lebensweise.

Lautes Trommeln dringt durch den Wald. Unüberhörbar markiert der Schwarzspecht sein Revier und versucht, in der Nähe befindliche Weibchen von seinen Qualitäten zu überzeugen. Dabei wählt der Vogel seine Bühne mit Bedacht: Tote Äste oder hohle Bäume bieten einen effektiven Resonanzboden für die akustische Darbietung. Bis zu 300-mal am Tag erklingen die dumpf tönenden Wirbel, die jeweils etwa drei Sekunden andauern.

Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) gehört zur großen Familie der Spechte (Picidae), die mehr als 200 Arten umfasst. Als »sympathische Hüter heimischer Wälder« werden sie in diesem Buch vorgestellt, das der Zoologe Volker Zahner von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Fotograf Norbert Wimmer verfasst haben. Die Leser erfahren darin, welch wichtige Rolle die Vögel für das Ökosystem Wald spielen. Auch wenn Spechte hier nur einen verschwindend kleinen Bruchteil zur Gesamtbiomasse beitragen, nehmen sie eine Schlüsselrolle ein. Allem voran mindert ihr Höhlenbau die Wohnungsnot von Nachmietern wie Hohltauben, Haselmäusen oder Siebenschläfern. Auch etliche Singvögel nehmen die windgeschützten Nischen, die nach unermüdlicher Holzbearbeitung zurückbleiben, als Unterschlupf wahr. Und indem Spechte von vielen Baumstämmen die Borke lösen, erleichtern sie anderen Arten den Zugang zu Insekten.

Mit dem Kopf durch die Wand

Anschaulich beschreibt das Autorenduo die bei der Nahrungssuche eingesetzten Hacktechniken der Spechte und erklärt, wie spezifische Anpassungen im Skelett dafür sorgen, dass die Tiere auch nach stundenlanger Kopfarbeit keine Gehirnerschütterung erleiden. Zwei längere Kapitel widmen sich der Baumhöhle sowie dem Familienleben der Vögel. Tipps zur eigenen Beobachtung runden den ersten Teil des Büchleins ab.

Im zweiten Teil stellen Zahner und Wimmer alle in Deutschland heimischen Spechtarten vor. Karten zum jeweiligen Verbreitungsgebiet sowie kurze Steckbriefe erleichtern den Vergleich. Ein besonderes Schmankerl: Mittels Audiodateien, die sich von der Verlagswebsite herunterladen lassen, können die Leser dem artspezifischen Rufen und Trommeln auch lauschen.

Das Buch richtet sich an Laien, wirkt sprachlich aber mitunter etwas holprig. Eingestreute Zitate, deren Quelle sich erst im Literaturverzeichnis erschließt, verwirren eher, statt zu helfen. Etliche Wiederholungen trüben den Lesegenuss. Immer wieder tauchen Fachbegriffe auf, zu denen das Werk keine Erklärung liefert, etwa »Megaherbivorentheorie«, »boreal«, »hudern« oder »home range«. Mitunter geht dabei auch etwas schief – so verwandelt sich die Biozönose, also die Lebensgemeinschaft, in eine »Biozinöse«. Der eine oder andere Satzfehler wäre ebenfalls vermeidbar gewesen.

Trotz dieser kleinen Mängel lässt sich der Band allen empfehlen, die mehr über die faszinierenden Waldvögel erfahren möchten. Vor allem die zahlreichen wunderschönen Fotos werden jeden Spechtliebhaber erfreuen.

37/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2019

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